Ich hatte mich absichtlich bisher nicht zu den in der letzen Zeit stärker unter Druck gesetzten Erfurter Hausbesetzer geäußert. Aber irgendwann ist genug.
Den Hausbesetzern ist sicher ihre soziale und kulturelle Arbeit auf dem Privatgelände der ehemaligen Firma Topf und Söhne positiv anzurechnen. Sie schaffen eine Anlaufstelle für alternative Lebensvorstellungen und tragen Sorge für ein Stück Erfurter Vergangenheitsbewältigung. Gedenken an eine für die Stadt doch eher unrühmliche Geschichte. Nichtsdetotrotz missachten die Hausbesetzer die Eigentumsrechte des Besitzers, der das Gelände gerne, letztendlich zum Wohle aller, weiterentwickeln möchte. Die Besetzer haben keinen Rechtsanspruch auf die Nutzung, die unentgeldliche Nutzung dieses fremden Privatbesitzes. Jegliche Angebote der Stadt Erfurt einen Ersatz zu schaffen sind somit deutlich mehr, als den Besetzern rechtlich zusteht. Ungeachtet dessen wie ernsthaft und umfangreich die Angebote der Stadt durch den Oberbürgermeister sind, sie sind mehr als die Besetzern von Rechts wegen erwarten könnten. Eine Ablehnung der Angebote mit dem Hinweis, dass man sich verschlechtern würde, sind damit nicht nur ein Ausdruck eines bequemen von Besitzstandswahrung geprägten Denken -- dies ist schon etwas merkwürdig für linke Aktivisten -- sondern auch von einem gewissen Maß an Realitätsverlust. Hier verlangt man von der Gesellschaft eine Leistung ohne zu einer angemessenen Gegenleistung bereit zu sein. Dabei sehen sich die Besetzer ausdrücklich nicht als Teil dieser Gesellschaft. Ihre Forderung wirken daher noch umso vermessener.
Nun haben sie auch einen Diebstahl öffentlichen Eigentums begangen, indem sie die Figur Bernd das Brot vom Rathausplatz gestohlen haben. Ich bin kein Freund dieser Figur, aller dieser Kitschfigueren in der Stadt, aber ihre "Entführung" durch die Hausbesetzer ist Diebstahl. Und Diebstahl gehört entsprechend geahndet. Die Besetzer drücken damit aus, dass sich keinen Respekt vor Privateigentum, keinen Respekt vor Gemeineigentum und keinen Respekt vor herrschendem Gesetz haben. Ihre Sympathien haben sie damit, zumindest bei mir, verspielt.
Die Hausbesetzer wollen nicht zu unserer Gesellschaft gehören, sie spielen nicht nach den Regeln unserer Gesellschaft, aber sie stellen Forderungen an uns. Ich sehe keinen Grund mehr, auf sie Rücksicht zu nehmen und Verständnis zu zeigen. Umgekehrt tun sie es ja auch nicht.
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