Erfurt

Nachhaltigkeit forciert: Erste Ökostrom-Wechselparty in Erfurt

Lan-Partys sind von gestern. In der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" 2005-2014 ergeben sich vielerlei Mottos rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Wer es noch nicht wusste: Erfurt wurde zum zweiten Mal nach 2008 als UN-Dekade-Stadt "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet. Am 19.05.2010 fand im Rahmen der Thüringer Dekade denn auch ein RunderTisch Thüringen„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im Presseclub Erfurt statt. Mit dabei war auch die Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Eine von vielen Veranstaltungen in diesem Rahmen ist die 1. Erfurter Ökostrom-Wechselparty, die am Freitag, den 13.08.2010 von 17:00 bis 20:00 Uhr in der Lutherkirche (Magedeburger Allee 46) statt findet, provokanterweise unweit der Erfurter Stadtwerke. Organisiert wird die Veranstaltung von der jüngst gegründeten „Initiative Ökostrom Erfurt“ mit dem Ziel, über die Bezugsmöglichkeiten und Vorteile des Ökostroms zu informieren. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, um Antworten auf folgende Fragen zu erhalten: Ist Ökostrom nicht viel zu teuer? Ist der Wechsel nicht viel zu kompliziert? Kann ich als Mieter überhaupt wechseln? Kommt nicht aus meiner Steckdose in jedem Fall Atomstrom? Bewirke ich mit meinem Wechsel überhaupt etwas? Gibt es eigentlich gute und schlechte Ökostromanbieter? Und wer seine letzte Stromrechnung mitbringt, kann erfahren, wie viel er bei den verschiedenen Ökostrom-Anbietern bezahlen würde. Neben dem informativen Teil gibt es ein Unterhaltungsprogramm nicht nur für Erwachsene, sondern auch für die Kleinen, die die späteren umweltbewussten Stromkunden sind.

Führt EU-Investitionsförderung zu Steuergeldverschwendung? Beispiel Erfurt

Derzeit führt die Stadt Erfurt eine Bürgerbefragung zur Neugestaltung des Angers durch, genauer gesagt zur Neugestaltung des westlichen Angers, dem Teil also zwischen Angerbrunnen und zentralen Haltestellen. Zur Auswahl stehen zwei Alternativen, über die man sich im Stadtrat noch nicht einigen konnte, zum einen auf Grund von Protesten der ansässigen Geschäftsleute gegen eine der Varianten, zum anderen auf Grund eines erhöhten Finanzierungsbedarfs, der im Zuge der technischen Planungen zu Tage trat.

Zur Auswahl steht die Variante 1, hier sollen auf beiden Straßenseiten zweireihig kleinkronige Bäume mit einer Höhe von 2,50 m gepflanzt werden. Die Finanzierung dieser Variante ist nach derzeitigem Stand nicht gesichert, da sich durch hohen technischem Aufwand Mehrkosten in Höhe von bis zu 1,5 Mio. € ergeben würden. Der Eigenanteil der Stadt läge bei 2,9 bis 3,4 Mio. €.

Da liest sich die zweite Variante schon deutlich angenehmer. Zwar sollen hierbei nur auf einer Seite Bäume gepflanzt werden, diese wären aber größer und die Finanzierung v.a. gesichert. Der Eigenanteil der Stadt betrüge lediglich 1,9 Mio. €. Dieser Betrag ist im Haushalt bereits eingeplant.

Die Erfurter mögen sich erinnern: Die Neugestaltung dieses Teils liegt noch nicht so viele Jahre zurück, das beweist die Größe der vor einigen Jahren erst neu gepflanzten Bäume. Warum also ist eine abermalige Neugestaltung notwendig? Die Stadt begründet dies zweifach: Einerseits mit dem stark erneuerungsbedürftigen Eindruck der traditionellen Einkaufsstraße – der sich dem durch die Straße Schlendernden nicht gerade aufdrängt – und andererseits mit letztmalig bis 2013 zur Verfügung stehenden Finanzhilfen der EU zur Regionalförderung. Angeblich nur für diese Investition könne die Stadt Erfurt ein allerletztes Mal in diesem Zeitraum Mittel abrufen, die ¾ der Investitionskosten darstellen.

Man bemerke, dieser Teil der Begründung ist sogar fett gedruckt in der Erläuterung, und damit scheinbar das wesentlichere Argument für die angeblich notwendige Erneuerung des Angers. Damit entlarvt sich die Stadtverwaltung quasi selbst. Man beachte, die Stadt Erfurt, die mit ca. 150 Mio. € verschuldet ist, ist bereit, 1,9 Mio. € (also am Ende der Bauphase aller Erfahrung nach mindestens 2,5 Mio. €) nicht vorhandener – mit Verweis auf den Sparhaushalt 2010 - Finanzmittel auszugeben, um ca. 4,5 Mio. € Investitionsförderung seitens der EU zu erhalten – für ein völlig überflüssiges Projekt. Es gibt Straßenzüge in Erfurt, deren Eindruck weit stärker erneuerungsbedürftig ausfällt. Letztlich wird hier Geld, das bewiesenermaßen nicht vorhanden ist, zum Fenster rausgeschmissen.

Nun kann man einwenden, das Abgreifen von Fördermitteln ist ein legitimes Vorgehen, schließlich ist Deutschland Nettozahler innerhalb der EU. Dann allerdings muss man sich als Bürger Erfurts fragen, ob sich nicht ein sinnvolleres Projekt finden ließe? Es ist schwer vorstellbar, dass keine andere Investition in die Infrastruktur und städtische Erneuerung Erfurts im Rahmen des EFRE-Programms unterstüzt würde.

Man lerne: Selbst leere Kassen führen nicht automatisch zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den städtischen Finanzen - die leidliche Sache mit dem Bau einer Rasenheizung im Steigerwaldstadion ist da offenbar keine Ausnahmeerscheinung. Und leider gibt es bei der Umfrage nicht die Option, sich gegen beide Varianten auszusprechen.

Begrüßungsgeld für Erfurter Studenten

Trotz aller Sparanstrengungen der Stadt Erfurt und kursierender Gerüchte vor Beschluss des Haushalts 2010 wurde der Semesterzuschuss nun doch nicht vollends gestrichen. Seit einigen Jahren wurde Studenten der Universität und der Fachhochschule Erfurts pro Semester ein Geldbetrag ausgezahlt, sofern sie von außerhalb kamen und ihren ersten Wohnsitz nach Erfurt gelegt haben. Die Höhe betrug zuletzt 80 Euro. Ab dem kommenden Wintersemester wird dieser Zuschuss nun in ein einmaliges Begrüßungsgeld in Höhe von 100 Euro umgewandelt. Da werden Erinnerungen an 1989 wach, zumindest bei den etwas älteren Semestern.

Diese Änderung sollte sich nicht auf die Studentenzahlen auswirken, denn sicherlich entscheidet sich kein junger Mensch für die Aufnahme eines Studiums in Erfurt, weil er pro Monat 13,33 Euro von der Stadt geschenkt bekommt. Diese Maßnahme diente sowieso nie der Aufstockung der Studentenzahlen, sondern lediglich der Erhöhung der Einwohnerzahl Erfurts auf 200.000 bzw. deren Erhaltung. Studenten sollten einen Anreiz bekommen, ihren ersten Wohnsitz in Erfurt anzumelden Denn die Finanzzuweisungen des Bundeslandes an die Städte ist an die Einwohnerzahl gekoppelt und damit können 5 Einwohner mehr bares Geld wert sein.

Das Begrüßungsgeld sollte diese beabsichtigten Funktion weiterhin erfüllen, wenngleich es nun etwas niedriger ausfällt.

Regenbogentour 2010 - Radeln für einen guten Zweck

Am Samstag, den 29. Mai 2010, findet sie wieder statt- die Regenbogentour 2010- jährt sich zum 16. Mal. Die Elterninitiative Leukämie- und tumorerkrankter Kinder Suhl/Erfurt e.V. veranstaltet diese wohltätige Fahrradtour zu Gunsten krebskranker Kinder mit dem Ziel, auf sich und ihr Anliegen aufmerksam zu machen, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und natürlich auch Spenden zu sammeln. Aus diesen finanziert sich die Elterninitiative nämlich hauptsächlich.

Die Radtour führt von Erfurt über Döllstädt nach Bad Langensalza, bei der jede und jeder herzlich eingeladen ist, teilzunehmen. Dabei unterstützt man nicht nur das wichtige Anliegen der Elterninitiative, sondern gleichzeitig die eigene Gesundheit. In der Vergangenheit sind auch Spitzensportler Thüringens mitgefahren, u.a. Gunda Niemann-Stirnemann oder Kati Wilhelm.

Die geringe Startgebühr von 10 € beinhaltet ebenfalls ein T-Shirt und gilt zugleich als Bahnticket für den Regenbogenexpress auf der Strecke Erfurt – Bad Langensalza.
Los geht’s am Erfurter Hauptbahnhof um 10:00 Uhr, bzw. in Döllstädt ab 11:30 Uhr. Am Zielort in Bad Langensalza selbst findet ab 12 Uhr in der Innenstadt ein Familienfest mit vielen Aktionen für Groß und Klein statt. Vor dem Rathaus warten die Besucher auf die Ankunft der Radfahrer, die gegen 13 Uhr erwartet werden.

Wem die Strecke mit dem Rad zu anstrengend ist, der kann mit dem Regenbogenexpress – ein historischer Dampfzug- von Erfurt nach Bad Langensalza fahren (in der Startgebühr von 10 Euro enthalten). Die Abfahrt ist 10:27 Uhr Uhr am Erfurter Hauptbahnhof. Und nicht nur das: Die Radler, die nicht aus Erfurt kommen, können morgens bereits den Regenbogenexpress von Bad Langensalza über Döllstädt, Dachwig und Kühnhausen nutzen, um bequem zum Start der Radtour zu kommen. Und die Rückfahrt am Nachmittag mit dem Zug zurück nach Erfurt ist ebenfalls in den 10 € enthalten.

Weitere Infos und aktuelle Meldungen finden man unter www.regenbogen-tour.de/

Konzeptlosigkeit in der AG Kulturkonzept Erfurt

Die Ausarbeitung eines tragfähigen, schlüssigen, umfassenden Kulturkonzepts für die Landeshauptstadt sollte das Ziel sein. Darauf einigte sich der Stadtrat Erfurt am 29.10.2007. Zunächst war die Kulturdirektion der Stadt mit diesem Auftrag betraut. Dieses Konzept sollte ab Frühjahr 2008 Grundlage für eine Debatte unter Einbeziehung externen Sachverstands sein.
In Juni 2008 lag dann auch ein 48 Seiten umfassendes Konzept mit dem Namen Zukunft der Kultur – Kultur der Zukunft - Kulturkonzeption 2018- vor.

Merkwürdigerweise gab es einen weiteren Beschluss des Stadtrats im Dezember 2008, der die Gründung einer Arbeitsgruppe zum Gegenstand hatte. Diese soll lt. Beschluss ein Kulturkonzept mit dem Namen Zukunft der Kultur – Kultur der Zukunft entwickeln. Wie gesagt, ein solches lag zu dem Zeitpunkt bereits vor, sofern die Angaben auf der Homepage der Stadt korrekt sind. Neu hinzugekommen zum Auftrag war nun lediglich die Einbeziehung der Öffentlichkeit.
Die AG Kulturkonzept nahm im Januar 2009, also vor 16 Monaten, ihre Arbeit auf und sollte im Dezember 2009 (!) ein fertiges Konzept vorlegen, das den Bürger präsentiert werden kann.

Von einem solchen ist die AG noch weit entfernt. Der Vorsitzende des Kulturausschusses und Mitglied der AG, Dr. W. Beese, spricht von unterschiedlichen Interessen, die eine Einigung erschweren. Immerhin scheinen sich die AG-Mitglieder mittlerweile auf die Leitideen geeinigt zu haben. Jetzt soll es darum gehen, das Kulturkonzept tatsächlich entstehen zu lassen, soll heißen, die Leitbilder in konkrete Ideen für das Erfurter Kulturangebot umzusetzen. Dazu soll lt. den Aussagen von Hr. Beese nun erst einmal ermittelt und abgeglichen werden, über welche kulturellen Angebote und Infrastrukturen die Stadt verfügt. Damit ist also höchstens die Hälfte der Arbeit, die vor 4 Monaten hätte beendet werden sollen, getan.

Es kann nicht oft genug erwähnt werden: Die AG muss das Rad nicht neu erfinden. Ein ausgearbeitetes umfangreiches Kulturkonzept der Kulturdirektion von 2008 existiert bereits, auf das sich die AG in ihrer Arbeit von Anfang an stützen konnte. Dieses stand unter dem gleichen Motto, trägt daher den gleichen Namen, und beinhaltet u.a. auch die ''derzeitigen'' kulturellen Möglichkeiten (zum Stand 2008) und künftigen Potentiale in Erfurt und macht ebenfalls Vorschläge zur künftigen Prioritätensetzung.
Vor diesem Hintergrund ist die zeitliche Verzögerung des Projekts nicht nachvollziehbar. Hr. Beese hält diese Verzögerung im Zeitplan allerdings für weniger problematisch, denn bisher habe es schließlich auch kein Kulturkonzept gegeben. Zudem sei dies dem Umstand der Einbeziehung der Bürger geschuldet. Doch sollte nicht vergessen werden, dass die Konzepterstellung keinem Selbstzweck dient, sondern Grundlage darstellen soll für eine Schwerpunktsetzung der Kulturstadt Erfurt, für die Förderung der Attraktivität der Stadt für Einwohner und Gäste, der Weiter- bzw. Neuentwicklung von Projekten und Einrichtungen und somit des Bildungsangebots, sowie v.a. für die Aufteilung und den koordinierten und zielgerichteten Einsatz der finanziellen Mittel. Und diese werden knapper, wovon viele Einrichtungen im diesjährigen Haushalt betroffen sind. Daher ist statt der gezeigten Ignoranz gegenüber der im Stadtratbeschluss vorgegebenen Zeitplanung eine zügige Fertigstellung, die auch die geänderten finanziellen Rahmenbedingungen einkalkuliert, aus Sicht aller Beteiligten wünschenswert.

Neues zum Umbau des Steigerwaldstadions

Wie Radio F.R.E.I. Erfurt gestern berichtete, ist der Umbau des Steigerwaldstadions, seit einiger Zeit diskutiert, offenbar für die nähere Zukunft kein Thema mehr. Das spart Geld im Stadtsäckel. Gleichwohl, das ändert nichts am Einbau einer Rasenheizung, der wohl im Mai beginnen soll.

Es lassen sich sowohl gute Gründe dafür finden, bspw. bessere Trainingsbedingungen für den 1. FC Rot-Weiß-Erfurt im Winter und damit hoffentlich bessere Spielergebnisse, als auch dagegen, bspw. spielt der Fußballclub im Moment in der 3. Liga. Hier gibt es keine Pflicht für eine Rasenheizung. Zumal nicht einmal der Club selbst glaubt, demnächst aufzusteigen. Gemäß den Aussagen eines Stadtratsmitglieds ist der 1. FC RWE verpflichtet, die städtischen Investitionszuschüsse zur Rasenheizung von 800.000 Euro mit jährlich 100.000 Euro abzustottern. Diese stellen demnach lediglich eine Art zinsloses Darlehen dar. Dies soll u.a. durch höhere Eintrittspreise erreicht werden. Das würde bedeuten, in acht bzw. neun Jahren hat der Club die Rasenheizung mehr oder weniger selbst finanziert. Für die Bürger Erfurts heißt dies zu hoffen, dass es in der vertraglichen Ausgestaltung der Rückzahlung keine Ausnahmeregelungen gibt, die die Rückzahlung auf Grund verminderter Einnahmen, schlechter sportlicher Ergebnisse etc. verzögern. Denn immerhin: 800.000 Euro Investition in eine Rasenheizung sind viel - gemessen an den Kürzungen im sozio-kulturellen Bereich der Stadt. Die finanzielle Lage ist auf Grund der Finanz- und Wirtschaftskrise desaströs. Warum in solchen Zeiten Geld für eine Rasenheizung für einen Drittligisten in die Hand genommen wird, ist vielen zu Recht unverständlich. Die schwache Leistung des Fußball-Clubs in der letzten Zeit rechtfertigt die Investitionskosten für eine Rasenheizung, vorfinanziert von der Stadt, in keinster Weise. Er steht derzeit auf Platz 14 von 20 Plätzen in der 3. Liga.