Dies ist ein fatales Signal der Stadtverwaltung Erfurts. Am Mittwoch hat der Finanzausschuss dem Bau der seit längerem geplanten Rasenheizung im Steigerwaldstadion zugestimmt. Kostenpunkt: 800.000 Euro. Das wäre selbst in Zeiten nicht gänzlich leergefegter Kassen kein Pappenstiel.
Doch nun, da die Finanznot die Stadt zu Sparmaßnahmen in fast allen Bereichen zwingt, ist diese Entscheidung einfach nicht mit dem gesunden Menschenverstand nachzuvollziehen. Im kulturellen und sozialen Bereich soll pauschal der Rotstift angesetzt werden, ohne etwaige Folgekosten, seien sie finanzieller Art oder die Lebensqualität betreffend, zu berücksichtigen, und hier werden eine knappe Million Euro zum Fenster hinausgeworfen. Mit welchem Argument?
Der 1.FC Rot-Weiß Erfurt spielt derzeit in der 3.Bundesliga, mit dem Ziel wieder aufzusteigen. Ob das gelingt, steht in den Sternen. In der 2. Bundesliga ist Rasenheizung Pflicht. Doch dies kann kein so dringlicher Grund für den Bau noch in diesem Jahr sein, denn erstens gibt es Ausnahmegenehmigungen, und zweitens hat Erfurt vor wenigen Jahren auch ohne beheizten Rasen in der 2. Liga gespielt.
Doch auch ein möglicher Hinweis, dass die mit einer Rasenheizung verbesserte Trainingssituation zu einem sicheren Aufstieg und dem Verbleib in der 2. Liga führen könne, und dadurch die Stadt zusätzliche Einnahmen generiert, kann nicht herhalten. Die Kosten, die der Stadt langfristig entstehen durch Schließung von Familien- und Beratungszentren, durch Kürzung von Kinderbetreuungsangeboten und Zuschüssen für kulturelle Einrichtungen und durch steigende soziale Probleme sowie durch sinkende Attraktivität der Stadt wurden bei der Erstellung der Streichliste ja auch nicht mit einkalkuliert. Dann käme man sicher an der ein oder anderen Stelle zu anderen Entscheidungen.
Und zudem lässt sich eine Investition in eine neue Rasenheizung problemlos um ein Jahr verschieben – vielleicht sieht dann die Haushaltslage wieder freundlicher aus. Doch die Schließung bspw. des Familienzentrums am Anger lässt sich nächstes Jahr nicht ohne Zusatzkosten einfach wieder rückgängig machen, zumal in der Zwischenzeit der Stadt bereits ein Jahr lang höhere Kosten, u.a. für Kinderbetreuung durch die Abschaffung der Differenzzeitenbetreuung entstanden sind. Darauf weist Michael Panse zu Recht hin.
Zudem bestehen für den Fußballverein eventuell andere Möglichkeiten, die Rasenheizung, wenn er sie denn für dringlich erforderlich hält – wobei es ja bis heute auch ohne ging – zu finanzieren, sei es über Sponsoren, die an den künftigen Erfolg der Mannschaft glauben, oder über ein Darlehen bspw. des DFB. Der stellt ja auch die Vorschriften bzgl. des Vorhandenseins einer Rasenheizung und der Dauer der Winterspielpause auf.
Sollte die Stadt jedenfalls an diesem Beschluss festhalten, und den sozialen und kulturellen Einrichtungen der Stadt im Schnitt 25 % der Zuschüsse oder mehr streichen, dafür aber 800.000 Euro in eine Rasenheizung investieren, dann kann sie sich des Unmuts der meisten Bürger sicher sein. Da bleibt nur zu hoffen, dass die CDU ihr Wort hält und dem jetzigen Haushaltsentwurf mit den unüberlegten Kürzungen im sozialen Bereich im Frühjahr tatsächlich nicht zustimmt, wie von M. Panse angekündigt.
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