Rasenheizung

Neues zum Umbau des Steigerwaldstadions

Wie Radio F.R.E.I. Erfurt gestern berichtete, ist der Umbau des Steigerwaldstadions, seit einiger Zeit diskutiert, offenbar für die nähere Zukunft kein Thema mehr. Das spart Geld im Stadtsäckel. Gleichwohl, das ändert nichts am Einbau einer Rasenheizung, der wohl im Mai beginnen soll.

Es lassen sich sowohl gute Gründe dafür finden, bspw. bessere Trainingsbedingungen für den 1. FC Rot-Weiß-Erfurt im Winter und damit hoffentlich bessere Spielergebnisse, als auch dagegen, bspw. spielt der Fußballclub im Moment in der 3. Liga. Hier gibt es keine Pflicht für eine Rasenheizung. Zumal nicht einmal der Club selbst glaubt, demnächst aufzusteigen. Gemäß den Aussagen eines Stadtratsmitglieds ist der 1. FC RWE verpflichtet, die städtischen Investitionszuschüsse zur Rasenheizung von 800.000 Euro mit jährlich 100.000 Euro abzustottern. Diese stellen demnach lediglich eine Art zinsloses Darlehen dar. Dies soll u.a. durch höhere Eintrittspreise erreicht werden. Das würde bedeuten, in acht bzw. neun Jahren hat der Club die Rasenheizung mehr oder weniger selbst finanziert. Für die Bürger Erfurts heißt dies zu hoffen, dass es in der vertraglichen Ausgestaltung der Rückzahlung keine Ausnahmeregelungen gibt, die die Rückzahlung auf Grund verminderter Einnahmen, schlechter sportlicher Ergebnisse etc. verzögern. Denn immerhin: 800.000 Euro Investition in eine Rasenheizung sind viel - gemessen an den Kürzungen im sozio-kulturellen Bereich der Stadt. Die finanzielle Lage ist auf Grund der Finanz- und Wirtschaftskrise desaströs. Warum in solchen Zeiten Geld für eine Rasenheizung für einen Drittligisten in die Hand genommen wird, ist vielen zu Recht unverständlich. Die schwache Leistung des Fußball-Clubs in der letzten Zeit rechtfertigt die Investitionskosten für eine Rasenheizung, vorfinanziert von der Stadt, in keinster Weise. Er steht derzeit auf Platz 14 von 20 Plätzen in der 3. Liga.

Rasenheizung statt Kinderbetreuung

Dies ist ein fatales Signal der Stadtverwaltung Erfurts. Am Mittwoch hat der Finanzausschuss dem Bau der seit längerem geplanten Rasenheizung im Steigerwaldstadion zugestimmt. Kostenpunkt: 800.000 Euro. Das wäre selbst in Zeiten nicht gänzlich leergefegter Kassen kein Pappenstiel.
Doch nun, da die Finanznot die Stadt zu Sparmaßnahmen in fast allen Bereichen zwingt, ist diese Entscheidung einfach nicht mit dem gesunden Menschenverstand nachzuvollziehen. Im kulturellen und sozialen Bereich soll pauschal der Rotstift angesetzt werden, ohne etwaige Folgekosten, seien sie finanzieller Art oder die Lebensqualität betreffend, zu berücksichtigen, und hier werden eine knappe Million Euro zum Fenster hinausgeworfen. Mit welchem Argument?

Der 1.FC Rot-Weiß Erfurt spielt derzeit in der 3.Bundesliga, mit dem Ziel wieder aufzusteigen. Ob das gelingt, steht in den Sternen. In der 2. Bundesliga ist Rasenheizung Pflicht. Doch dies kann kein so dringlicher Grund für den Bau noch in diesem Jahr sein, denn erstens gibt es Ausnahmegenehmigungen, und zweitens hat Erfurt vor wenigen Jahren auch ohne beheizten Rasen in der 2. Liga gespielt.

Doch auch ein möglicher Hinweis, dass die mit einer Rasenheizung verbesserte Trainingssituation zu einem sicheren Aufstieg und dem Verbleib in der 2. Liga führen könne, und dadurch die Stadt zusätzliche Einnahmen generiert, kann nicht herhalten. Die Kosten, die der Stadt langfristig entstehen durch Schließung von Familien- und Beratungszentren, durch Kürzung von Kinderbetreuungsangeboten und Zuschüssen für kulturelle Einrichtungen und durch steigende soziale Probleme sowie durch sinkende Attraktivität der Stadt wurden bei der Erstellung der Streichliste ja auch nicht mit einkalkuliert. Dann käme man sicher an der ein oder anderen Stelle zu anderen Entscheidungen.

Und zudem lässt sich eine Investition in eine neue Rasenheizung problemlos um ein Jahr verschieben – vielleicht sieht dann die Haushaltslage wieder freundlicher aus. Doch die Schließung bspw. des Familienzentrums am Anger lässt sich nächstes Jahr nicht ohne Zusatzkosten einfach wieder rückgängig machen, zumal in der Zwischenzeit der Stadt bereits ein Jahr lang höhere Kosten, u.a. für Kinderbetreuung durch die Abschaffung der Differenzzeitenbetreuung entstanden sind. Darauf weist Michael Panse zu Recht hin.

Zudem bestehen für den Fußballverein eventuell andere Möglichkeiten, die Rasenheizung, wenn er sie denn für dringlich erforderlich hält – wobei es ja bis heute auch ohne ging – zu finanzieren, sei es über Sponsoren, die an den künftigen Erfolg der Mannschaft glauben, oder über ein Darlehen bspw. des DFB. Der stellt ja auch die Vorschriften bzgl. des Vorhandenseins einer Rasenheizung und der Dauer der Winterspielpause auf.

Sollte die Stadt jedenfalls an diesem Beschluss festhalten, und den sozialen und kulturellen Einrichtungen der Stadt im Schnitt 25 % der Zuschüsse oder mehr streichen, dafür aber 800.000 Euro in eine Rasenheizung investieren, dann kann sie sich des Unmuts der meisten Bürger sicher sein. Da bleibt nur zu hoffen, dass die CDU ihr Wort hält und dem jetzigen Haushaltsentwurf mit den unüberlegten Kürzungen im sozialen Bereich im Frühjahr tatsächlich nicht zustimmt, wie von M. Panse angekündigt.