Solarstrom

Unqualifiziert und hohl! - Die Grünen verdummen ThüringerInnen bei erneuerbaren Energien

Gestern hat der deutsche Bundestag die Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes beschlossen, und damit die Kürzung der Subventionen für Solarstromerzeugung. Thüringer CDU und FDP Abgeordnete hatten dafür gestimmt. Von der Opposition, v.a. seitens der Thüringer Grünen und der Linken wird ihnen nun die Zerstörung Thüringer Arbeitsplätze in der Solarbranche vorgeworfen. Zudem würde so der Prozess der zunehmenden Unabhängigkeit von den 4 großen marktdominierenden Stromkonzernen RWE, Eon, EnBW und Vattenfall gebremst und ein Wechsel hin zu dezentraler Energieerzeugung- und versorgung sabotiert. Es spielt den Großen in die Hände, die jährlich 20% Rendite einfahren. Und natürlich ist es schädlich im Hinblick auf die Klimaschutzziele und es komme einer Verdummung der Thüringer gleich.

Wer hier allerdings die Bürgerinnen und Bürger verdummt, lieber Herr Adams, muss zunächst mal geklärt werden. Denn weder die Grünen noch die Linken oder die SPD verraten ihren Bürgern die gesamte Wahrheit. Es wird so getan, als wären hier nur die kleinen Stromproduzenten die Verlierer. Das kann man zwar nicht völlig abstreiten, doch sollte unbedingt die gesamte Wirkungskette und die Realitäten der Solarförderung betrachtet werden.

Es sind nämlich nicht nur kleine Unternehmen, die von der Förderung profitieren, sondern ganz massiv auch die großen Stromkonzerne, sei es als Anbieter von Solarstrom oder als Erzeuger. Und diese Tatsache lässt sich recht einfach nachvollziehen, ein Blick auf die Internetseiten von RWE, Eon, EnBW und Vattenfall genügt. Die sind schon längst auf den Ökozug aufgesprungen und leben nicht mehr nur von billigem Atomstrom. Außerdem haben sie durch ihre riesigen Kapazitäten und eben auch durch die angesprochenen zweistelligen Renditen einen entscheidenden Vorteil bei der Vermarktung und den Investitionen, letztlich also Werbe- und Preismacht.
So sind viele der bekannten Ökostromanbieter Tochterunternehmen der großen Atomstromkonzerne Deutschlands, z.B. Yello Strom ist eine 100%ige Tocher der EnBW, E wie Einfach eine 100%ige Tochter des Eon Konzerns oder Lekker Strom vom niederländischen Energieversorger Nuon Energy, an dem Vattenfall mit 49% Anteile hält.
Des Weiteren bietet bspw. EnBW den sog. Solarservice an. Hier werden Industriekunden betreut von der Standortfindung bis hin zur Inbetriebnahme von Photovoltaikanlagen. EnBW möchte zudem ein Photovoltaikprojekt als Bürgerbeteiligung in Mühlhausen/ Kraichgau verwirklichen

Doch in weitaus stärkerem Maße profitieren die Großen von den Subventionen durch die Erzeugung von Solarstrom. Auch hier einige Beispiele, alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen: EnBW hat erst kürzlich seinen ersten Solarpark in Leibertingen eingeweiht in einer Größe, die ein komplettes Dorf mit Strom versorgen kann. Ein weiterer wird in Ulm-Eggingen errichtet, der im Juni 2010 ans Netz gehen soll.
Eon will zusammen mit Abengoa Solar zwei Solarkraftwerke in Andalusien bauen und betreiben.

RWE hat einJoint Venture mit Schott Solar gegründet, und bereits die neue Solarfabrik SmartSolarFab in Alzenau gebaut.
Und an den geplanten Solarfeldern in Afrika wollen sich Eon und RWE auf jeden Fall beteiligen.
Diese Liste ließe sich ohne Weiteres verlängern, im Übrigen auch nicht nur im Hinblick auf Solarstrom sondern auch auf Strom aus anderen regenerativen Quellen wie Wind und Wasser.

Die großen Stromkonzerne fahren also nicht nur eine riesige Rendite mit billigem Atomstrom ein, sondern profitieren zusätzlich von immens hohen (und volkswirtschaftlich nicht eindeutig sinnvollen) Solarsubventionen.
Diese Realität auf dem deutschen Strommarkt sollten auch die Oppositionsparteien trotz ihrer (berechtigten) energiepolitischen Ziele nicht verkennen und die gesamte Wirkungskette der Subventionen und der Kürzung dieser in ihre Argumentationen einbeziehen. Und sie v.a. den Bürgern nicht vorenthalten, denn auch dies kommt einer ‚Verdummung’ gleich. Im übrigen tut man den Großen mit einer solchen Argumentation sogar einen Gefallen, die kommen vor Lachen ja kaum noch in den Schlaf. Und wenn sie sich nun fragen, warum man von den großen keinen Protest gegen die Subventionskürzung hört? Eben deswegen: Ihnen kommt eine Kürzung der Subventionen insofern zu Gute, als dass sie nun ruhigeren Gewissens riesige Solarparks bauen und betreiben können; ruhigeren Gewissens deshalb, weil weniger Subventionen durch den Steuerzahler auch weniger Angriffsfläche für Kritik bieten. Sowieso ist es unverständlich, dass diese faktisch nicht existiert, denn genügend Gründe gibt es, wie die wenigen Beispiele zeigen. Bisher ist in der gesamten Diskussion noch keiner der Kritiker drauf gekommen ist, dass man hier auch die großen marktbeherrschenden Stromproduzenten in Deutschland mit subventioniert.
Aber wahrscheinlich verwischt die ideologische Komponente der von energie- und umweltpolitischen Zielen geleiteten Debatte um Solarstrom diese grausame kapitalistische Realität.

Solarbranche: Subventionskürzung und Protest

Es ist schon merkwürdig. Überall im Freistaat Thüringen wehren sich Solarfirmen sowie Politiker jedweder Koleur gegen die von Bundesumweltminister geplante zusätzliche Kürzung der Subventionen von Photovoltaikanlagen. Die Einspeisevergütung von Solarstrom soll zum 1.04.2010 für Dachanlagen bzw. zum 1.07. 2010 für Freiflächenanlagen um einmalige 15% abgesenkt werden zusätzlich zur normalen Degression, die im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) festgelegt ist.
Carsten Schneider (SPD) nennt die Pläne völlig übereilt, nicht durchdacht und wirtschaftlich unverantwortlich. Dies sei mit unkalkulierbaren Risiken für die Unternehmen verbunden. Für Patrick Kurth, FDP, kommt die zusätzliche Kürzung zu früh und zu heftig und sei ein Investitionskiller. Petra Enders von Die Linke. sieht dadurch ein entscheidendes Standbein der Thüringer Industrie beschädigt, Katrin Göhring-Eckardt prophezeite, dies werde die Schaffung weiterer 2000 Arbeitsplätze verhindern.
Anfang Februar demonstrierten ca. 1000 Mitarbeiter verschiedener Unternehmen der Solarbranche an mehreren Standorten gegen die Kürzungen. Die Thüringische Ministerpräsidentin Lieberknecht und Wirtschaftsminister Machnig reihten sich in die Reihen der Protestler aktiv ein und sagten der Solarbranche Unterstützung zu.

Doch dies ist nicht nur ein thüringenweites, sondern ein bundesweites Phänomen. Am 4.02.2010 appellierten rund 20.000 Mitarbeiter der Branche in ganz Deutschland mit zahlreichen Kundgebungen und Protestaktionen an die Bundesregierung. Initiiert wurde der Massenprotest vom Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW-Solar).
Doch war es genau dieser Verband, der im November vergangenen Jahres aus freien Stücken ein Angebot an die Bundesregierung gemacht hat, die Photovoltaik-Vergütung Mitte 2010 stärker als im EEG vorgesehen abzusenken. Zu BSW-Solar gehören auch alle Thüringer Solarunternehmen wie Bosch Solar, asolar GmBH, maxx-solar & energie GmbH & Co. KG, m-tec Solar Energy usw., nachzulesen auf der Homepage des Bundesverbands.

Das Angebot an die Politik beinhaltete 4,5 % zusätzliche Kürzung der Einspeisevergütung zum 1.07.2010. Das sind natürlich weniger als die von Röttgen geplanten 15 %. Doch hatte der Chef der Solarfirma Solarworld AG, Frank Asbeck, bereits im September 2009, also kurz vor der Bundestagswahl, eine zusätzliche Subventionskürzung um 15 % gefordert, da die Preise für Solaranlagen drastisch gefallen seien und die Unternehmen auch bei Kürzungen noch eine gute Rendite erwirtschaften würden. Im Januar betonte er noch einmal, man könne mehr als die vom BSW-Solar angebotene Kürzung von 4,5 % realisieren, sprach nun aber nur noch von 9% statt 15 %.
Die Zahlen Norbert Röttgens scheinen daher nicht völlig aus der Luft gegriffen, sie wurden ein Stück weit aus der betroffenen Branche selbst ins Spiel gebracht.

Warum nun die Solarhersteller zurückrudern und selbst gegen die vorgezogene Kürzung der Solarstrom-Förderung im Allgemeinen mobil machen, nicht nur gegen den Anteil, der ihr Angebot übersteigt, ist daher völlig unverständlich. Warum schicken die Firmen nun ihre Mitarbeiter vor die Werkstore zum Demonstrieren? Entweder hat die Branche das eigene Angebot bereits wieder vergessen, oder aber mit dieser Taktik werden weitergehende Ziele für die Solarunternehmen verfolgt, die für Außenstehende nicht sofort ersichtlich sind.
Die Unwissenheit all der Thüringer PolitikerInnen, die sich in den letzten Wochen mit den Solarfirmen solidarisiert haben um gegen die Kürzungsabsichten der Bundesregierung zu protestieren, erstaunt aber in mindestens ebenso großem Maße. Aus keiner Stellungnahme zu diesem Thema lässt sich herauslesen, dass er bzw. sie von dem Angebot des Bundesverbands der Solarwirtschaft an die Bundesregierung im November 2009 Kenntnis erlangt hat. Dies gilt für andere Landespolitiker ebenso. Allerdings beruft sich auch das Bundesumweltministerium nicht darauf bei der Verteidigung seiner Pläne. Ohne nun Verschwörungstheorien bemühen zu wollen, so scheinen doch hier einige Beteiligte ein ausgeprägtes Interesse daran zu haben, dem Bürger einige Informationen vorzuenthalten, nicht zuletzt die Solarbranche selbst. Man braucht nicht lang zu überlegen, aus welchem Grund: Es dürfte um viel Geld in diesem Spiel um Förderung erneuerbarer Energien gehen, denn warum sonst sollte die Solarbranche selbst der Politik Subventionskürzungen vorschlagen? Sicher nicht, wenn sie Nachteile davon hätte…Doch die Thüringer Politik scheint noch nicht einmal im Ansatz zu ahnen, dass hier eventuell ein Spiel im Backstage-Bereich der Bundespolitik zu Gange sein könnte.

Spannend sind folgende Fragen:

Warum weiß keiner von dem Kürzungsangebot der Solarwirtschaft von November 2009 bzw. warum erinnern sich die, die es mal wussten, nicht mehr daran? Was bezweckt die Branche mit den jetzigen Protesten? Führt sie die Politik an der Nase herum? Diese seitens der Thüringer Politik zu beantworten erscheint drängender als sich weiter in Protestrufen und Unterstützungszusagen zu üben.