Erfurt hat's geschafft: Auf Seite 5 mit einem Beitrag in der BILD. Eine Großaufnahme von Dr. Carmen Hildebrandt, Geschäftsführerin der Tourismus und Marketing GmbH Erfurt, mit dem Titel 'Diese Frau holt 11 Mio. Touristen nach Erfurt'. Macht im Schnitt 33.000 Besucher pro Tag, die meisten davon Tagestouristen. Der gemeine Bürger Erfurts mag sich fragen, welche Berechnungsmethoden verwendet wurden, um auf diese extrem hoch anmutende Zahl zu kommen – zur Erinnerung, die Stadt hat ca. 200.000 Einwohner – doch nichtsdestrotz, die Stadt hat viele sehenswerte Ecken und Geschichte, interessant für jedermann.
Dennoch läuft aus Sicht der Erfurter rund: Es ist ja toll, wenn das Stadtmarketing in aller Herren Länder für die Sehenswürdigkeiten Erfurts wirbt – laut BILD kommen vor allem Holländer, Amerikaner, Schweizer. Doch was ist mit den BürgerInnen in und um Erfurt? Auch diese sollten bei aller Werbung um globetrottenden Touristen nicht unberücksichtigt bleiben - denn auch sie verhelfen der Stadt zu ihren Einnahmen und zu ihrer Attraktivität, mit der im Ausland geworben wird. Und nicht vergessen werden sollte die Anziehungskraft einer Stadt als Heimat, als Wohnort. Diese misst sich auch an den Angeboten im Freizeit- und Unterhaltungsbereich. Die sind zweifelsfrei gegeben, nur leider nicht immer ausreichend beworben. Bestes Beispiel: Das Große Mittelalterspektakel auf dem Domplatz am vergangenen Wochenende. Es fand im Rahmen der Veranstaltung Himmelszeichen - Inszenierungen von Straßen und Stätten der Reformation in Erfurt statt. Über sämtliche Führungen, Ausstellungen, Bühnenvorstellungen und sonstige Aktionen konnte man leicht unter www.erfurt.de detaillierte Informationen zu Uhrzeit und Ort finden. Nur eben nicht zur einzigen kostenpflichtigen Veranstaltung auf dem Domplatz. Da war nur zu lesen: Genre: Stadtfeste/ Volksfeste; Veranstaltungsort: Domplatz; Uhrzeit: 3.09. ab 15 Uhr, 3.09. bis 5.09. 21 Uhr. Im Programmheft auf der letzten Seite war noch der Hinweis zu finden, dass der Eintritt zu allen Veranstaltungen (außer Domplatz) [...] frei ist.
So waren denn auch viele Bürger überrascht, als sie am Einlass zu dem umzäunten Areal auf dem Domplatz 5 € Eintritt zahlen sollten, ohne vorher überhaupt genau zu wissen, was dort angeboten wird. Es ist allerdings auch nicht so, dass es kein Programmheft gegeben hätte, das verrät, wann Live-Musik oder Feuershow stattfinden, doch fand man dieses erst, nachdem man gezahlt hatte und an einem der mittelalterlichen Bäcker vorbeischlenderte, der 2 Stapel Programmhefte neben dem frisch gebackenen Brot liegen hatte. Wenig überraschend war auf dem Domplatz dann auch nicht viel von dem in der BILD beschriebenen Besucheransturm in Erfurt zu spüren - wer kauft schon gern die Katze im Sack? Es ging eher familiär und ruhig zu, kein Gedränge, kein Geschiebe, und keine Wartezeiten an den zahlreichen Fressbuden. Schade eigentlich, denn gelohnt hätte sich der Besuch allemal, sieht man mal davon ab, dass der Gang zur Toilette trotz Eintritt auch noch mal mit 50 Cent zu Buche schlug - eine Frechheit, by the way.
Jedenfalls sollte Stadtmarketing nicht vor den Toren der Stadt Halt machen!

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