Donnerstag Abend, am 25.05., fand in der Buchhandlung Peterknecht auf dem Anger eine Lesung mit aktuellen, wenn nicht sogar brisantem Inhalt statt. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen, stellte sein neues Buch „Honeckers Erben – Die Wahrheit über die Linke“ vor. Ein Buch, das v.a. über die ideologische, personelle sowie organisatorische Tradition der Linkspartei zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der SED, aufklärt. Ein Aufklärungsversuch über die nicht allzu lang zurückliegende Vergangenheit, der dringend nötig erscheint, da die Strategie der Partei Die Linke, ehemals Linkspartei.PDS, ehemals PDS, ehemals SED, die Spuren der Vergangenheit zu verwischen bzw. dort, wo es nicht funktioniert, zu verklären oder umzuinterpretieren. Des Weiteren geht die Partei gegen jeden gerichtlich vor, der etwas zur Erhellung der dunklen Vergangenheit der Partei, bspw. in gedruckter Form, beiträgt. Und dass diese Strategie gut funktioniert (hat), beweist bereits die Zusammensetzung des Publikums der Lesung. Es scheint, als ob das Thema meine Generation (unter 30) nichts angeht, zumindest aber nicht interessiert. Entweder wurden die Gäste vor dem Mauerbau geboren, oder sie waren vereinzelt in Begleitung ihrer Eltern da. Von allein scheinen die Jüngeren kein Interesse an dem Thema zu entwickeln. Bereits dies demonstriert die Notwendigkeit einer umfassenden (Wieder)Aufklärung. Denn der Autor präsentiert in seinem Buch keineswegs nur neue Enthüllungen, sondern vielfach bereits bekannte Informationen, die aber, und das musste ich selbst an mir feststellen, nicht im öffentlichen Bewusstsein existieren. So z.B. dass Oskar Lafontaine ein Duzfreund von Erich Honecker war!
Dass Die Linke keine neue und erst recht die jüngste Partei Deutschlands ist- wie sie sich gern selbst bezeichnet- wurde vom Schatzmeister der Linken in einer Eidesstattlichen Versicherung bestätigt mit ungefähr folgendem Wortlaut: „Die Linke ist rechtsidentisch mit der Linkspartei.PDS, PDS, SED-PDS und SED“. (Diese Erklärung wurde im Rahmen eines Anwaltsschreibens vor einigen Monaten abgegeben und von Herrn Knabe in der Lesung vorgelegt.)
Weiterhin wirft der Autor die Frage auf, wie diese Partei nach Sturz der Diktatur unbehelligt weiter existieren konnte und praktisch nur ihren Namen änderte. Ein wesentlicher Erklärungsfaktor liegt in der Spurenvernichtung der SED. Bspw. hat die SED noch im März 1990, 6 Tage nach den Volkskammerwahlen, im Süden Deutschlands die größte bis dato existierende Aktenvernichtungsmaschine mit angeschlossener Papierpresse für 80.000 DM gekauft. Das Resultat ist, dass wir heute, wenngleich wir doch recht viel wissen über die Staatssicherheit, ihre Methoden und Strukturen, wir nur spärliche Informationen über die Partei SED und ihre Mitglieder, die zu großen Teilen heute Die Linke bilden, besitzen.
Gleichsam erstaunlich und erschreckend ist es, dass die Mitglieder der Linken, deren ehemalige SED- und vielleicht auch Stasi-Zugehörigkeit bekannt ist und die damit auch in Teilen für das Unrecht in der DDR verantwortlich sind, in der öffentlichen Wahrnehmung auf breiter Flur nicht damit identifiziert werden. Wie kann es sein, dass die gesamte Spitze der Partei in der demokratischen Bundesrepublik Deutschland 2006 geschlossen an der Trauerfeier von Markus Wolf, einer leitenden Figur des Ministerium für Staatssicherheit in den 80ern, der in Folge 1997 wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung zu 2 Jahren Haft verurteilt wurde, teilnehmen kann, ohne dass dies nennenswerte Aufregung in der Bevölkerung auslöst?
Wie kann es sein, dass in Brandenburg eine ehemalige Stasi-Mitarbeiterin (IM ‚Kathrin’) für das Amt der Ministerpräsidentin kandidiert, ohne dass es einen allgemeinen Aufschrei in der Öffentlichkeit gibt?
Und wie kann es sein, dass Gerichte und Staatsanwälte in Deutschland so wenig Anstrengungen unternehmen, um den Verbleib eines Großteils des SED-Vermögens von 6 Milliarden DM zu ausfindig zu machen, obwohl es in diesem Zusammenhang schon Ermittlungen gab und Informationen von Involvierten vorliegen – eine Aussage, die im Übrigen dem SED-Mitglied Wolfgang Langnitschke das Leben kostete. Dies demonstriert das Maß an krimineller Energie, die hier im Spiel war. Auch ist bekannt, dass Gregor Gysi als damaliger Parteivorsitzender maßgeblich daran beteiligt war, das Parteivermögen zur Seite zu schaffen. Und es ist bekannt, dass Die Linke bzw. PDS trotz sinkender Mitgliederzahlen über ein stets steigendes Spendenaufkommen verfügt…
Das Buch ist mehr als lesenswert, und wie Herr Knabe richtig betonte, sollte sich jeder mündige Bürger gut informieren, bevor er zur Wahlurne geht, und hinter die Kulissen einer Partei und ihrer leeren und propagandistischen Parolen schauen; v.a. dann, wenn eine Partei so geübt darin ist, ihre Vergangenheit und damit ihre Basis und Ideologie zu verschleiern wie Die Linke, deren Forderungen und Versprechungen auf den ersten Blick oft verführerisch anmuten. Es ist in diesem Bereich noch viel Aufarbeitung von Nöten, die auch jetzt, 20 Jahre nach Beendigung der Diktatur der DDR noch nicht vollends in Gang gekommen zu sein scheint.

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