Schlechter Scherz, dreiste Lüge oder verzerrtes Selbstbild?

Fahrrad fahren ist nicht nur gesund. Es ist auch clever. Und spart Zeit und Geld. Erfurt ist eine kompakte Stadt. Zu Recht kann sie als "Stadt der kurzen Wege" bezeichnet werden. Die täglich zurückzulegenden Wege bewegen sich im Bereich von wenigen Kilometern. Damit eignet sich das Fahrrad hervorragend für den Stadtverkehr, sowohl im Alltag als auch in der Freizeit.
Gerade bei den kurzen Strecken kann gegenüber der Fahrt mit dem Pkw häufig ein Zeitvorteil herausgefahren werden.

Nachzulesen auf der Homepage der Stadt Erfurt .

Diese Charakterisierung der Stadt Erfurt kann man als täglich Radelnder höchstens als schlechten Scherz auffassen.

Zur Zeitersparnis: Es existieren zwar tatsächlich kurze Wege in der Innenstadt, nur lassen die Verantwortlichen dieses Textes unerwähnt, dass diese für Radfahrer zumeist für die direkte Durchfahrt gesperrt sind, sei es der Bahnhofstunnel, der zentral gelegene Anger oder diversen innerstädtischen Einbahnstraßen, die angeblich zu schmal sind, um von Fahrradfahrern beidseitig befahren werden zu können. Dafür sind die Parkbuchten meist mehr als großzügig gestaltet, zur Freude der Autofahrer.

Zur Geldersparnis: Radfahren in Erfurt wird zunehmend teurer, auch dies wird hier nicht angesprochen. Denn will man als Radfahrer den Zeitvorteil tatsächlich nutzen, trifft man immer häufiger auf freundliche Polizisten in Radlerhosen und grünem Helm, die darauf hinweisen, dass man sich hier gerade widerrechtlich auf dem Drahtesel bewegt hat, sei es auf dem Anger, im Bahnhofstunnel oder in Einbahnstraßen – und dieser Hinweis kostet immerhin 15€, auch Verwarngeld genannt. Nun, die Polizisten werden vom Land bezahlt, die Verwarngelder fließen in die Stadtkasse. Wenn damit wenigstens Fahrradwege in der Innenstadt gebaut würden…nein, die baut man lieber für die Sonntagsradler im weitläufigen Umland von Erfurt. Deren Nutzen steht allerdings in keinem Verhältnis zu solchen im Innenstadtbereich, die tagtäglich von vielen Berufstätigen und Studenten genutzt würden- WÜRDEN, so es sie denn gäbe.

Immerhin, es gibt einen Kommunalen Arbeitskreis Radverkehr, der 5 bis 6 Mal im Jahr tagt und laut Homepage Kompetenz und Wissen von Fachleuten und Nutzern vereint. Leider kann er nicht entscheiden, sondern nur Empfehlungen geben.
Daher plädiere ich dafür, die Stadtratsmitglieder morgens um 8:30 Uhr aufs Fahrrad zu setzen und sie zu bitten, auf dem schnellsten (legalen!) Wege von der Schillerstraße/ Ecke Windthorststraße zum Breuninger an der Schlösserbrücke zu radeln, oder wahlweise von der Geschwister-Scholl-Straße zur CDU Kreisgeschäftsstelle am Wenigemarkt.. Vielleicht hilft’s…

Welcher Eindruck bleibt also? Fahrradfahrer haben einfach keine Lobby – weder bringen sie den Ölkonzernen, noch den Stadtverkehrsbetrieben Erfurts Profit.

Reaktionen aus dem WWW:

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