Nach dem zähen und zeitweise possenhaft wirkendem Ringen um die künftige Landesregierung Thüringens stehen nun auch die Ersten Dienerinnen und Diener im Lande fest. Allerdings, auch diese Ernennung lief nicht ohne Spannungen ab. Kritik an der Rekrutierung von Westlern vermengen sich mit verletzter Eitelkeit und enttäuschter Karrierehoffnungen.
Und in der Tat, die Besetzung mag den Ottonormal-Thüringer stellenweise in Erstaunen versetzen, im Wesentlichen aus zwei Gründen. Das Kabinett setzt sich aus relativ vielen Nicht-Thüringer Politikern zusammen und der Anteil der aktiven Akademiker bzw. Wissenschaftler, liegt über dem Durchschnitt. Neben dem Ex-Sprecher der sächsischen Staatskanzlei, der nun den Regierungssprecher auf Staatssekretärsebene in Thüringen stellt, sowie dem neuen Staatskanzleiministers, vormals Direktor des schleswig-holsteinischen Landtags, sind v.a. drei Herren zu nennen:
Der Rechtswissenschaftler Prof. Peter M. Huber , ordentlicher Professor an der LMU München und neuer Innenminister Thüringens, hat zwar seit den 90ern verschiedenste Verbindungen nach Thüringen, als ehemaliger Professor in Jena, Richter am Thüringer Oberverwaltungsgericht, Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt u.ä., dürfte vielen dennoch unbekannt sein. Dem Kultusminister C. Matschie steht künftig der Kölner Erziehungswissenschaftler Prof. Gerhard Mertens zur Seite, Inhaber des Lehrstuhls für Anthropologie und Ethik an der Universität Köln. Die Personalie des neuen Staatssekretärs im Justizministerium erscheint aus Thüringer Sicht noch besser nachvollziehbar: Diesen Posten besetzt zwar abermals ein aktiver Universitätsprofessor, der als Lehrstuhlinhaber sowie Direktor der Erfurt School of Public Policy (resp. Willy-Brandt-School) zwar schon mehr als ausgelastet scheint, aber immerhin weilt Prof. Dietmar Herz bereits seit 2000 in Thüringen- wenngleich er ebenfalls nicht gebürtig aus dem Osten stammt.
Es bleibt also zu hoffen, dass speziell diese drei Herren trotz ihrer fraglos attraktiven Karrieren und Tätigkeiten außerhalb der Politik genügend Zeit und Ambitionen haben, sich in der Thüringer Politik ausreichend zu engagieren.
Dennoch: Neben aller Kritik lässt teilweise überraschend hochkarätige Besetzung der Minister- und Staatssekretärsriege ein steigendes Maß an Sach- und Fachkompetenz erwarten, zumindest scheint diese Annahme nicht unrealistisch. Sollte sich dies als wahr herausstellen, dann werden die derzeit kritischen und nörgelnden Stimmen von ganz allein verstummen.

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