Sonderrolle in der Gesellschaft: Die Studierenden?!

Der derzeit laufende Bildungsstreik in Deutschland, der überraschend intensiv nun doch auch in Erfurt angekommen ist, hat ohne Zweifel seine Berechtigung. Viele der angeprangerten Umstände sind objektiv betrachtet tatsächlich Missstände, die behoben, zumindest aber doch angegangen werden müssen: Ein Schulsystem, dass von Beginn an in einem Maße sozial segregiert, dass über dem Durchschnitt der westlichen Industrieländer liegt. Ein völlig an ihren ursprünglich propagierten Zielen gescheiterte Reform des europäischen Hochschulsystems. Auch die mangelnde Versorgung mit KiTa-Plätzen in weiten Teilen der Republik gehört dazu, denn Bildung beginnt weit vor der Schule. Die wesentlichen Grundlagen für die Fähigkeit in der Schule zu lernen, sich zu bilden und gebildet zu werden, werden früh gelegt. Viele der
Forderungen der Erfurter Bildungsstreiker sind daher gerechtfertigt.

Dennoch: Einige Forderungen der protestierenden Studenten führen auch zu einem faden Beigeschmack. Wieder einmal tut sich die Frage auf, warum Studenten (natürlich nicht alle) für sich reklamieren, was dem großen Rest der Bevölkerung auch verwehrt ist. Worauf beruht das Selbstverständnis vieler Studenten, einen Sonderstatus zu besitzen?

Sicherlich, man darf es mit der vielfach betitelten Ökonomisierung der Bildung und den Leistungsdruck im Sinne maximaler Effizienz nicht zu weit treiben – völlig d’accord (wenngleich sich dieses Phänomen in der jüngsten Zeit nicht nur im Bildungssektor fortpflanzt und zu krank machenden Wucherungen führt!)- aber doch auch nicht mit einem Anspruch auf ein Leben in Müßiggang und Bequemlichkeit?
Auf welcher vernünftigen Grundlage beruht bspw. die Forderungen einiger bayrischer Studenten auf Lerngeld, quasi eine Ausbildungsvergütung? Nicht einmal alle tatsächlich Auszubildenden beziehen ein Lehrlingsgehalt, und diejenigen, die ein solches bekommen, bekommen dies nicht für den schulischen Anteil in ihrer Ausbildung, sondern für die konkrete Mitarbeit im Ausbildungsbetrieb! Schüler bekommen im Übrigen ebenso wenig Lerngeld wie Personen, die sich an der VHS weiterbilden. Viele Berufstätige müssen ihre Weiterbildungsmaßnahmen sogar (z.T.) aus eigener Tasche zahlen, so z.B. die Meisterausbildung.

Dieser Anspruch scheint an Selbstgefälligkeit kaum zu toppen, aber ein Erfurter Vertreter der Jungen Union – wichtiger Hinweis: selbst noch Student! - schafft es: Mit der Forderung auf Abschaffung der Anwesenheitskontrolle an Universitäten!
Als probates Mittel gegen überfrachtete Seminarpläne kann dies wohl keineswegs herhalten. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass in mindestens der Hälfte der Veranstaltungen diese Kontrolle gar nicht stattfindet und Studenten doch in ihrer privaten Zeitplanung bereits sehr flexibel sind. Allen schulpflichtigen Kindern und berufstätigen Erwachsenen bleibt dieser Komfort verwehrt.

Mit welcher Berechtigung also beanspruchen Studenten eine solche Sonderbehandlung für sich?

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Kommentare

Link

...es passt zwar nicht hierher, aber ihr Link zu "Spicker" (Blogroll) ist tot - die Seite gibt es nicht mehr.

Gruß aus Sonneberg

Danke fuer den Hinweis. Ich

Danke fuer den Hinweis. Ich habe den toten Link geloescht.

Gruss aus Bremen

Sorry, aber was ist denn an

Sorry, aber was ist denn an den Forderungen "Anwesenheitspflicht abschaffen" und mehr Zeit für das Studium und einen Nebenjob zu haben überzogen? Ich weiß ja nicht, was für einen Studiengang du hast, aber bei uns wird die Anwesenheitspflicht so gut wie überall eingehalten, auch in Vorlesungen, also mir kann keiner erzählen, dass es nur bei der Hälfte der Veranstaltungen eine Anwesenheitsliste gibt. Zudem bringt es natürlich etwas die Anwesenheitspflicht abzuschaffen, denn dann würden nicht mehr zig Leute im Seminar sitzen, die keine Lust haben und deshalb stören. Es gibt nämlich genug, die nur da sind, weil sie es müssen, diejenigen nehmen den interessierten Leuten den Platz weg und quatschen oder stören anderweitig. Die Abschaffung der Anwesenheitslisten würde also mit Sicherheit mehr Plätze und ein besseres Lernklima schaffen, außerdem sind wir nicht in der Schule und alt genug selbst zu entscheiden, welche Veranstaltungen Sinn machen und welche man sich schenken kann, um die Zeit sinnvoller zuhause zu nutzen, denn von solchen Veranstaltungen gibt es auch genug.
Und was die Zeitplanung allgemein betrifft, ist es doch so, dass man in einem 6-semestrigen Studiengang, wo man den ganzen stoff eines Magister-Studiengangs hinein gepresst kriegt, nunmal kaum Zeit für einen Nebenjob etc. hat, welchen viele aber brauchen, da sie kein oder zu wenig BaFög bekommen. Man hat doch ein Privatleben und ganz ehrlich, die Leute, die arbeiten gehen, haben danach wenigstens Schluss und können sich auf die faule Haut legen (zumindest die, die keine höhere Position haben), wir Studenten kommen heim und müssen noch zig Sachen für die Uni machen. Zumal noch hinzu kommt, dass man, wenn man gute noten haben will, die man auch braucht, um überhaupt eine Chance auf einen Masterplatz zu haben, extrem viel lernen etc. muss und einfach kaum Zeit mehr für etwas Anderes bleibt. Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu Stundenten, die permanent nur Party machen wollen, aber ich will auch mal Zeit für meinen Freund, meine Freunde, Familie etc. haben.
Das Bachelor-Studium ist nunmal eine Belastungsprobe und so kann es einfach nicht weiter gehen.

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