Weit sind sie nicht gekommen, die jungen Aktivisten, die heute für einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr in Erfurt werben wollten. Am Anger ging es los und am Fischmarkt war schon Endstation. Die EVAG war der angekündigten Aktion mit einem knappen Dutzend Kontrolleuren entgegengetreten, die die Demonstranden aus der Tram verwiesen. Selbst die Polizei war vor Ort.
Dabei ging es nicht, wie mancherorts zu lesen war, um die Legalisierung des Schwarzfahrens, sondern um die Senkung des Fahrpreises auf die Grenzkosten, Null Euro.
Kostenloser öffentlicher Personennahverkehr hat mehrere Vorteile:
Der öffentliche Nahverkehr wird attraktiver, der Individualverkehr und damit die Umweltbelastung gehen zurück. Gekoppelt mit einer Förderung von Car-Sharing-Modellen kann so auch der Parkplatznot in der Innenstadt begegnet werden. Ein kostenloser öffentlicher Nachverkehr macht die Stadt auch für Touristen attraktiver, die hierdurch vielleicht eher mehrere Tage in Erfurt verweilen würden. Die Zahl der Übernachtungen könnte dadurch in gewissen Grenzen gesteigert werden. Hiervon profitieren dann auch die Einzelhändler der Stadt. Und schliesslich endet damit endlich die von der EVAG praktizierte Preisdiskriminierung.
Natürlich muß der öffentliche Personennahverkehr auch finanziert werden. Jedoch ist zuerst zu beachten, dass auch Kosten in nicht unerheblichen Maße entfallen. Es entstehen keine Kosten mehr für den Fahrkartenverkauf. Automaten müssen nicht mehr gewartet, sondern können abmontiert werden. Personal läßt sich hier, in der Verwaltung und bei der nun nicht mehr notwendigen Fahrkartenkontrolle einsparen. Ferner entfallen auch die Kosten zur Bekanntmachung der (un-)regelmäßigen Tarifanpassungen.
Die verbleibenden Betriebkosten müssen dann von den städtischen Gewerbetreibenden, die von dem kostenlosen Nahverkehr profitieren, und der Stadt also den Erfurtern als Gesamtheit getragen werden. Da die EVAG aber sowieso zu 100% mittelbar der Stadt gehört ist das nicht anders als jetzt auch. Auch jetzt müssen letztendlich wir Erfurter für Verluste der EVAG gerade stehen.

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