Keine Visionen an der Uni Erfurt?

In den letzten Tagen war die Uni Erfurt mehrfach in der Presse vertreten. Und, vielleicht ein wenig ungewohnt, nicht mit negativen Schlagzeilen. Die werden sicher früh genug wieder kommen. Nein, positives ist zu berichten. Der neue Präsident Brodersen hat die Arbeit seines neuen Amtes aufgenommen, am Max-Weber-Kolleg wird eine neue Forschergruppe mit 3 Millionen von der DFG gefördert, und die Wahlen zu den neuen Gremien und Dekanaten verliefen ohne Zwischenfälle.

Und doch beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl.

In der Presse wird durch Brodersen insbesondere das gebührenfreie Studium an der Universität als Chance und Alleinstellungsmerkmal gepriesen. Ja, ohne Studiengebühren kann man an allen thüringer Hochschulen studieren, aber nicht nur da. In direkter Nachbarschaft, in Hessen, werden die Studiengebühren auch ja gerade wieder abgeschaft. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hatten nie welche. Im Gegensatz zu den thüringer Hochschulen übrigens auch keine Gebühren für Langzeitstudenten. Ich sehe hierin keinen Standortvorteil. Das im Gegensatz zu vielen anderen Universitäten existierende geisteswissenschaftliche Profil der Uni wird zwar auch erwähnt. Aber mal ehrlich, ein Profil sieht anders aus. Die sichtbare Forschung der Universität fokusiert sich aufgrund der geringen Größe der Universität zwangsläufig auf eher wenige Bereiche. Dies ist aber keine besondere Leistung. Die 3 Millionen für das Forscherkolleg schon eher. Aber schon die nächste Meldung, man möchte Erreichtes konsolidieren, zeugt eher von Besitzstandwahrung als von Visionen für die Zukunft.

Ein Problem, das ich für die ganze Universität sehe. Es geht überall darum, nur den Status quo zu erhalten. Die vom Land gekürzten Zuweisungen sollen durch "Projekte" kompensiert werden. Aber ein optimistischer, visionärer Blick in die Zukunft fehlt. Es wird der Mangel in einem Nullsummenspiel verwaltet, aber nicht mehr gestaltet. Es liegt am Land hier endlich wieder Gestaltungsspielraum zu schaffen. Aber vielleicht muss hierzu die Universitätsleitung auch in Vorleistung gehen und mit Visionen zeigen, dass sich eine Investition lohnt. Auch die Stadt Erfurt könnte sich etwas enthusiastischer (und vielleicht auch finanziell) zu ihrer Universität bekennen.

Reaktionen aus dem WWW:

Are settlement agreements the new save haven for bad medical equipment?
Uncertainty is depleting President Obama's political support for escalation in Afghanistan.

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