Statt Kulturförderung: Mehr kommerzieller Junk in der Innenstadt

Bernd das Brot neben dem Rathaus
Bernd das Brot neben dem Rathaus

Es ist schon traurig mit welchen Enthusiasmus unser Oberbürgermeister mit Segen des Landes den Niedergang der Kultur in unserer Stadt betreibt. Statt einer Kulturförderung für die unabhängigen Kulturschaffenden in der Stadt sollen nun weitere Ikonen des Kommerzes in der Innenstadt aufgestellt werden. Als Zeichen der öffentlichen Bekenntnis zum Kindermedienstandort.

Ja, natürlich lassen sich Touristen mit Bernd dem Brot auf einem Einnerungsfoto verewigen. Deswegen nach Erfurt kommen? Eher nicht. Das Foto ist mehr als Ulk zu verstehen. Jeder Besucher muss annehmen, es handelt sich bei der Figur um eine kurzfristige Werbeaktion. Kein geistig gesunder Mensch würde schliesslich eine solche Figur dauerhaft an einem historischem Ort aufstellen, oder?

Jetzt sollen noch weitere Figuren in der Innenstadt augestellt werden. Schlimm genug, dass hierdurch das Stadtbild nachhaltig -- ich nenne es hier mal freundlich formiliert -- geprägt wird. Nein, die Aktion wird auch noch aus öffentlichen Mitteln finanziert. Dass hier Werbung betrieben wird für die kommerzielle Verwertung ebendieser Figuren, scheint die Verantwortlichen in Stadt und Land nicht zu stören. Die Lizenzinhaber, die Produkte mit Tigerente und Co an das Kind bringen wollen wird es freuen. In Erfurt gibt es für sie gratis Werbeflächen an historischen Orten.

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Kommentare

Übertreibst Du es da nicht

Übertreibst Du es da nicht ein wenig? Erfurt sollte froh sein, dass die Stadt Medienstandort ist. Das man dafür Werbung macht, ist doch normal und auch zu begrüßen.
Diese Figuren werden in der Innenstadt aufgestellt, auch das ist in Ordnung.
Im übrigen finde ich es ein wenig eigenartig, sich an Figuren wie dem Brot oder der Tigerente so hochzuziehen.
Da muß man auch fordern, dass z.B. der "Burgerking" oder das "Nordseerestaurant" aus der Innenstadt verschwinden sollen, b.z.w. deren Fassaden neutral bleiben...

Kitsch statt Kultur

Vielleicht. Aber lass mich meine Kritik noch einmal präzisieren und dabei die verschiedenen Argumente ein wenig voneinander trennen.

Zum einen kritisiere ich die geplante Aufstellung der Fernsehfiguren (Bernd das Brot, Sandmännchen, Maus, Elefant, Tigerente, Tabaluga, Ernie und Bert, der Goldene Spatz) in der historischen Altstadt Erfurts und zum anderen die Finanzierung dieser Aktion aus öffentlichen Mitteln, wenn gleichzeitig kein Geld für die Kunst- und Kulturförderung in Erfurt da ist.

Welchen Zweck soll die Austellung der Fernsehfiguren haben? Die Stadt Erfurt möchte sich als Medienstandort, insbesondere als Heimat des Senders Kinderkanal zu erkennen geben. Zugleich sollen die Figuren als Touristenmagnet fungieren.

Ich bezweifel, dass auch nur ein Tourist WEGEN der Figuren in die Stadt kommen wird. Die Touristen wollen die historische Altstadt mit Krämerbrücke, Domplatz, erhaltener und restaurierter Architektur und Brezelritter erleben. Gerade dieses einmalige Stadtbild wird durch die Figuren meiner Meinung nach nachhaltig gestört.
Als Massnahme um zusätzliche Touristen in die Stadt zu locken, scheint mir die Aufstellung der Fernsehfiguren in der Altstadt also nicht geeignet, tendenziell sogar schädlich.

Bleibt die Frage, ob die Figuren dazu geeignet sind, sich als Heimat des Kinderkanals zu erkennen zu geben. Auch hier sehe ich eine nur bedingte Effektivität. Ohne zusätzliche Erläuterung sind die Figuren für diesen Zweck nicht geeignet. Wenn jedoch eine Erläuterung notwendig ist, so könnte man doch gleich einen Infoladen an exponierter Stelle eröffnen. Vielleicht sogar mit einem Teil des Senders in die Innenstadt ziehen und somit direkt Präsenz zeigen. In den oberen Stockwerken der Post ist bestimmt noch Raum für eine repräsentative Abteilung des MDR / Kinderkanals. Der jetzige Standort am Rande der Stadt läßt zumindest bei mir keine große Verbundenheit mit den Sendern aufkommen. (Gut, ich habe auch keinen Fernseher...) Alternativ, wenn man auf Interaktion mit dem "Kunden" keinen Wert legt, könnte man alle Figuren mit entsprechenden Erläuterungen in einem Themengarten austellen. Von mir aus im Hirschgarten vor der Staatskanzlei, wenn das Land die Aktion schon fördert.

Damit zum anderen Kritikpunkt: Die Finanzierung aus öffentlichen Mitteln. Wieviel wärst Du bereit für die Herstellung der Figuren, ihrer Aufstellung und ihrer künftigen Pflege zu bezahlen? Jetzt, bar auf die Hand? Meinst Du es käme genug Geld zusammen, wenn Althaus persönlich von Tür zu Tür gehen und um Geld für das Projekt bei allen wahlberechtigten Thüringern bitten würde? Ich persönlich möchte das zwar nicht gänzlich ausschliessen, ich glaube jedoch nicht daran. Von mir gäbe es keinen Cent. Angenommen, Althaus würde gleichzeitig nach Geld für die Kunst- und Kulturfürderung bitten. Wie sähe das Ergebnis aus? Ich vermute, es käme ein wenig für die Kunst- und Kulturförderung zusammen und nahezu nichts für die Figuren. Sollte dem so sein, handelt das fördernde Ministerium klar gegen den Willen des Souveräns. Da der Souverän in solchen Angelegenheiten jedoch nicht gefragt wird, haben wir statt Kultur Kitsch in der Stadt.

Zu guter Letzt. Ja, Erfurt ist ein Medienstandort und sollte dies auch weiter ausbauen. Schliesslich bewirkt dies das Vorhandensein einiger höher qualifizierter Arbeitsplätze. Thüringen bräuchte viel mehr davon. Entsprechende Kompetenz wird an der Erfurter Uni auch herangebildet und vielleicht bleiben einige der Studenten ja vor Ort und wandern nicht ab.
Nichtsdestotrotz sollte das Flächendenkmal Erfurter Altstadt entsprechend gewürdigt werden. Gegen eine Ronald McDonald Figur auf der Krämerbrücke würde ich und andere sich schliesslich ebenfalls aussprechen...

Die von Dir erwähnte zurückhaltende Fassadengestaltung in der Altstadt ist übrigens in der Ortsgestaltungssatzung von 1992 geregelt und ist verglichen mit manch anderen Städten schon recht restriktiv.

Respektlose Hausbesetzer: Genug ist genug. | Erfurtblog

[...] Eigentums begangen, indem sie die Figur Bernd das Brot vom Rathausplatz gestohlen haben. Ich bin kein Freund dieser Figur, aller dieser Kitschfigueren in der Stadt, aber ihre "Entführung" durch die Hausbesetzer ist [...]

Kostenlose Werbung für Erfurt

Erfurt hat doch durch das Kidnapping von Bernd das Brot jede Menge öffentliche Aufmerksamkeit und kostenlos Promotion bekommen - was will man eigentlich mehr. Wer weiß - im Endeffekt steckt eine Marketingargentur vom Kika dahinter :P...

lg

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