Dom, A4 und Blumenkübel - reicht das für einen attraktiven Studienstandort Erfurt? Das 1. Erfurter Zukunftsforum widmete sich vor etwa 70 Zuhörern dieser Frage nach der Zukunft der Hochschulen in der Landeshauptstadt. Geladen hatte ein neues Netzwerk aus lokalen Partnern wie der TLZ, Bürgerstiftung Erfurt, Stadt, Tourismus-GmbH - kurz: Die "Erfurter Botschafter". Zuvor veröffentlichte die TLZ bereits Statements der geladenen Hochschulprominenz: Oberbürgermeister Andreas Bausewein, Kai Brodersen, Präsident der Universität Erfurt, Heinrich H. Kill als Präsident der Fachhochschule Erfurt und Katinka Will für die neugegründete Adam-Ries-Fachhochschule.
Wer sich nun aufgrund der versammelten Kompetenz Antworten auf brennende Zukunftsfragen erhoffte, wurde in weiten Teilen leider enttäuscht. Der richtigen Fehler- und Anforderungsanalyse - Thüringen als Abwanderungsland, die schärfer auf Drittmittel ausgerichtete Hochschulfinanzierung und die mangelnden Jobchancen im Großraum Erfurt - folgten leider keinerlei Aussagen zu Konzepten und Ideen. Bekannte und bequeme Antworten ließen zunehmend den Eindruck der Zufriedenheit und Problemverdrängung entstehen. Sicher, eine längst überfällige Marketingstrategie, verstärkte Kooperation und die Präsentation über einen "Hochschulladen" im Hauptbahnhof sind wünschenswerte Projekte. Ob nun ein solcher Laden, in den sich allenfalls ein die Treppe zur Straßenbahn herunterstolpernder Reisender verirren dürfte, die Rettung des unter "Dauerbeschuss" stehenden Uni- und FH-Standortes Erfurt bedeuten würde, bleibt allerdings zu bezweifeln.
Nun, als Fazit bleibt die Frage nach der Botschaft, nach dem Ziel, nach der Perspektive. Fragen nach Studiengebühren zur Behebung der desolaten Finanzsituation, die Rechtfertigung einer der höchsten Zweitwohnungssteuern in Deutschland oder einer wie auch immer gearteten Kooperation zwischen FH und Universität mit dem möglicherweise langfristigen Ziel einer Fusion müssen erlaubt sein, gestellt und natürlich diskutiert werden. Vielleicht liefert der Kommunalwahlkampf 2009 dazu bereits einen passenden Anlass ...

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Kommentare
Heimlich, still und leise
Bezeichnenderweise wurde dieses Veranstaltung unter Ausschluss der Studierendenschaft in den Semesterferien abgehalten.
Heimlich war die Veranstaltung nicht
Heimlich war die Veranstaltung nicht. Sie war in der Tagespresse und hier ausreichend vorher angekündigt worden. Still und leise trifft es jedoch schon eher. Ob die Terminlegung in der vorlesungsfreien und damit studentenärmeren Zeit Absicht oder einfach nur Ignoranz war, ist jedoch nicht wirklich entscheidbar. Nach Worten der Veranstalter war man bereits mit der erschienenen Anzahl an Gästen überrascht, so dass ich eher auf Ignoranz tippe. Andererseits waren nicht Studenten, oder besser Angehörige der Erfurter Hochschulen die Zielgruppe (von denen war auch kaum einer da), sondern eben jene, die sonst eher wenig mit unseren Bildungsstätten zu tun haben.
Zum Thema Zukunft des Hochschulstandortes Erfurt muss es allerdings tatsächlich erst noch entsprechende Diskussionen in den Hochschulen selbst geben. Ihr Fehlen war wahrscheinlich auch mit Grund für die wahrgenommene Inhaltsleere. Intern muss erst einmal festgestellt werden, wohin es gehen soll, bevor man sich damit an die breitere Öffentlichkeit wendet. Zumindest für die Uni Erfurt bin ich zuversichtlich, dass Kai Brodersen diesen Dialog mit seinen Kollegen und den Studenten suchen wird.
Nichts verpasst
Natürlich ist das ärgerlich, weil das Thema gerade für Studierende interessant gewesen wäre. Wäre! Weil du eben aus Studentensicht nichts verpasst hast ...
Ich weiß, dass die politischen Hochschulgruppen sich vermehrt dieses Themas annehmen. Vielleicht eine Möglichkeit, mitzuwirken oder tiefer in die Hochschulen hineinzuhorchen?
Seniorenwoche und Jugendkur? | Junge Liberale Erfurt
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