Bildungsgipfel, Bankenkrise, Bundeswehr - war da noch was? So mitten zwischen Boom und volkswirtschaftlicher Depression fallen sie dann doch wieder plötzlich auf: Die immer noch 3 Mio. Arbeitslosen, die immerhin noch einen Anteil von knapp 7-8 % an der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmachen.
Viele Antworten hört man in diesen Tagen. Die mit Abstand außergewöhnlichsten stammen wohl von Heiner Flassbeck. Der ehemalige Staatssekretär unter Oskar Lafontaine gab in Erfurt im Rahmen der Herbstlese seine Sicht der Dinge zur Krise und Überwindung wieder. Er überraschte zunächst das Publikum mit volkswirtschaftlichen Binsenweisheiten: Dass die Geldmenge weltweit begrenzt sei und man durch Sparen kein Geld schöpfen könne oder dass unberücksichtigt der Auslandsverbindlichkeiten sich Kredite und Spareinlagen in Deutschland die Waage hielten.
Die Schlussfolgerungen hingegen legten nahe, welch Geistes Kind der Autor ist: Ein großes Konjunkturprogramm müsse her, so Flassbeck. Jedes Land müsse in "seinen Verhältnissen leben." Staatsverschuldung sei unproblematisch, Hauptsache "irgendjemand" investiere die Spareinlagen. Man könne die Unternehmen dazu ja nicht zwingen.
Verständlich erscheint gerade noch die Forderung nach Konjunkturbelebung, obwohl die Vergangenheit hier Lehrmeister sein sollte. Dass Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika bitte in "ihren Verhältnissen" zu leben haben, ist schon nicht mehr hinnehmbar. Für junge Menschen unerträglich dann die missverständliche Darstellung und Diffamierung der Riesterrente und privater Vorsorge. Die These Flassbecks, der Staatsschuld stünde ja (bis auf die wenigen Auslandsverbindlichkeiten) ein Anspruch in der Bevölkerung entgegen, wonach die Pro-Kopf-Verschuldung letztlich null sei, ist geradezu abenteuerlich. Und folgte man dieser Logik, dann erklärt sich nicht die Deckung der Verzinsung von Staatspapieren. Diese stünden im Raum - zahlen muss der Steuerzahler für staatliche Verschuldungspolitik, sogar in der Flassbeck'schen Keyneslogik. Ohnehin verzichtet der Autor auf jede Berücksichtigung von Wachstum und Zinsen, es könnte wohl den Leser überfordern. Und über allem schwebt das Damoklesschwert der selbsterfüllenden Prophezeiung: Es wird wohl ein Land geben, dass keine investitionswilligen Unternehmen mehr hat. Es ist das Land von Flassbeck, Lafontaine und Gysi.
Das Buch "Das Ende der Massenarbeitslosigkeit" kostet 24,90 Euro, ist erschienen im Westend Verlag und wird von mir ausdrücklich nicht zu Anschaffung empfohlen.
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