Weblog von Nächstenlieberal

Oh du fröhliche: Collegium maius vivat!

Mit der beschlossenen Fusion der beiden Evangelischen Landeskirchen auf dem Gebiet Thüringens rückt Erfurt buchstäblich in den Mittelpunkt des Geschehens. Bis vor wenigen Wochen gehörte die Landeshauptstadt kirchenpolitisch zu Sachsen-Anhalt, nämlich zur dort in Magdeburg ansässigen Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und nicht zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, deren Sitz Eisenach ist. Das rührt noch aus vorweimarerer Zeiten, als Erfurt zu Preußen und nicht zu den Thüringischen Staaten gehörte. Seit dem veränderte sich die Kirchenstruktur nur marginal - böse Zungen behaupten, nicht nur territorial ...

Neuer Hauptsitz der "Vereinigten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland" soll Erfurt werden - das Collegium maius. Viele ältere Einwohner der Stadt erinnern sich noch an das alte Gebäude, das als eins der wenigen in der Innenstadt dem Krieg 1945 zum Opfer fiel. Seit dem - Sowjetrussland und DDR hatten natürlich kein Interesse am Wiederaufbau - ist das baufällige Gebäude ein kleiner Makel im Stadtbild. Das wird sich nun durch großzügige 11,5 Millionen Euro ändern! 6,5 Millionen stellt die Stadt, 5 Millionen die fusionierte Kirche zur Verfügung. Über die Geldquellen kann sich der staunende Gläubige nur wundern, dem ein Pfarrer nach dem anderen von der Landeskirche "gekürzt" wird.

Damit steht Erfurt im Mittelpunkt der neuen, jungen Kirche. Das neue Kirchenamt wird aus Eisenach und Magdeburg in Erfurt zusammengelegt. Schmerzliche Abschiede gehören ebenso dazu wie die Frage nach dem Sinn. Es sind zwei intakte und vollsanierte Gebäude in den alten Amtssitzen vorhanden - ein neues Gebäude scheint überflüssig. Außerdem wird der offizielle Bischofssitz weiterhin in Magdeburg verbleiben! Machtpoker und Geschacher um den möglichst großen eigenen Einfluss sind aber offenbar auch in Kirchenkreisen kein Fremdwort.

Genug des (berechtigten) Jammers aber! Freuen wir uns also als Bürger der Stadt lieber auf ein weiteres Schmuckstück in der Erfurter Altstadt neben Augustinerkloster, Krämerbrücke und Michaeliskirche.

Aber vielleicht sollte der ein oder andere Kirchenfunktionär und Synodalabgeordnete das nächste mal einen Blick ins Evangelium wagen. Da finden wir bei Johannes im 3. Kapital, Vers 30, einen wertvollen Hinweis für SEINE Kirche: "ER muss wachsen, ich aber muss abnehmen."

In diesem Sinne: Einen gesegneten Advent!

„Wer gut studieren will, der komme nach Erfurt.“ Martin Luther

Mit einer neuen Strategie und Medienkampagne möchte sich die Universität Erfurt weiter in der Universitätslandschaft Thüringens und Deutschlands festigen und entgegen aufkommender Kritik in Position bringen: Unter dem Motto "Antworten" lockt sie den Interessenten mit großflächigen Farben und durchaus interessant gestellten Fragen.

=Neue Kampagne der Uni Erfurt

Die Konzentration auf die gewählten philosophische Fragen ("Gehört mein Körper zur Außenwelt?", "Bin ich mehr als mein Gehirn?", "Macht Individualität einsam?") ist zurückzuführen auf die Erarbeitung durch Studenten der Philosophischen Fakultät. Dennoch deuten sie die Interdisziplinarität durch Verknüpfungen zu den wichtigsten Fachbereichen an der Universität - beispielsweise Wirtschaft und Theologie - an. Kritisieren mag man das offenbar beim Leser vorausgesetze Interesse an tiefenphilosophischen Fragestellungen. Andererseits wirkt die spontane und unerwartete (die Werbeaktion findet vorrangig im "Bahnjournal" der DB - nicht in akademischen Blättern - statt) Konfrontation des Lesers mit dem Thema ausgesprochen einladend und pfiffig. Als Publikum sind dabei sowieso Abiturienten und das Bildungsbürgertum als Zielgruppe anzunehmen, denen man ein gewisses Interesse an gehobener Philosophie unterstellen darf.

Im Design erkennt man eine (positive) Orientierung am aktuellen "Gestaltungsmainstream": Große Farbflächen werden verbunden durch hervorgehobene und inhaltlich zugespitzte Fragen. Groß- und Kleinschreibung, Fettschreibung und das farbige Sternchen am Ende jeder Frage passen in moderne, verkürzt gesagt, sich an "Web 2.0" orientierende Layout. Passend dazu wurde die Sonderinternetseite (http://www.uni-erfurt.de/antworten) in einem aktuellen Blogdesign gestaltet. Die neue Idee löst wohl das bisher halbherzig als Motto der Uni vertretenden Zitat Luthers ab, das in der Überschrift erwähnt und von mir als Student der Universität Erfurt voll bestätigt werden kann.

Fazit: Die interessanten Karten gibt es als Bildschirmhintergründe, E-Cards und wohl bald als käufliche Postkarten und T-Shirts. Bleibt zu hoffen, das die exzellent geplante Initiative nicht in den akuten Alltagsproblemen der Uni verpufft. Die fehlende Nachfolgebesetzung im Amt des Präsidenten und die anhaltende Debatte über die Existenzberechtigung der jungen Uni in der Thüringer Hochschullandschaft und offenbar ein mangelnder Rückhalt in der Landesregierung, Probleme bei der Umsetzung der modularisierten Studiengänge und der zweifellos schlecht gestalteter Internetauftritt sowie Rückständigkeit bei sonstigen PR-Aktivitäten mindern doch erheblich den Optimismus in Bezug auf diese Aktion. Schon allein deshalb, weil man von dieser Kampagne an der Uni selbst nur durch eine hintere Seite im internen Uni-Journal erfährt ...