Sport

Lang-samer?

Morgen ist es wieder soweit: Die "Große Schleife" durch Frankreich beginnt in der Bretagne. Die 95. Tour de France steht dabei nach den Skandalen im Vorfeld und dem Ausstieg der öffentlich-rechtlichen Rundfunkübertragung im letzten Jahr sicherlich unter ganz besonderer Beobachtung.

Mit dabei auch der Erfurter Zeitfahrspezialist Sebastian Lang. Bei der letztjährigen Rundfahrt aufgrund einer Verletzung nicht dabei, äußerte er sich als einer der wenigen Profis kritisch zu den Auswüchsen des Radsportes und gab fast erleichtert zu, glücklicherweise im letzten Jahr nicht im Feld gewesen zu sein. Auch diese Tour wird vermutlich nicht ohne ihren Skandal auskommen. Es wäre eine Illusion zu glauben, ein Jahr und ein wenig Aufregung könnten eine solch tief versumpfte Szene verändern.

Drücken wir trotzdem natürlich dem Erfurter Sebastian Lang kräftig die Daumen und hoffen auf ein insgesamt langsameres Tempo als Ausdruck eines Wandels. Natürlich nicht, wenn Sebastian Lang die Rampe zum Zeitfahren verlässt ...

Politik im Schatten der EM

Eigentlich hätte die Deutschen wissen müssen, was auf sie zukommt. Vor zwei Jahren nutzte die Große Koalition in Berlin die Gunst der Stunde um fast unbemerkt von allen einige unpopuläre Beschlüsse zu fassen.

Leider hat die Art heimlicher Politik auch dieses Mal im Schatten der EM funktioniert. Am Tag nach dem Halbfinalsieg der Deutschen gegen die Türkei ging die Meldung über die Einführung einer digitalen Signatur glatt unter. Dabei wird nahezu jeder zweite Deutsche von der Maßnahme betroffen sein.
Offiziell gehandelt wird die elektronische Signatur unter dem Namen ELENA. Offiziell heißt es damit solle nur lästiger Papierkram gespart werden. Die Idee hört sich ersteinmal verlockend an: wann immer man eine Sozialleistung beim Staat beantragen will, nimmt man einfach seine digitale Signatur und das lästige Sammeln von allen möglichen Nachweisen entfällt. ELENA wird sprachlich geschickt auch als "elektronischer Einkommensnachweis" bezeichnet.

Kern des Vorhabens ist eine neue Datenbank, in der künftig die Einkommens- und Beschäftigungsdaten von rund 40 Millionen Arbeitnehmern gespeichert werden. Rund 3,2 Millionen Arbeitgeber werden von 2009 an die entsprechenden Daten schrittweise an den zentralen Datenspeicher senden. Arbeitsagentur, Kindergeldstelle oder ein Gericht könnten auf die Daten von 2010 an zugreifen, meldet Spiegel-Online.de

Der Start des Projekts war schon mehrfach verschoben worden. Zu Recht, wie ich meine, wenn man eine zweite Meldung der vergangenen Tage vor Augen hat: Eine Arbeitsgruppe von CDU/SPD-Abgeordneten hat sich auf ein neues Format für den Personalausweis geeinigt. Demnach soll dieser in Zukunft nur noch im Scheckkartenformat ausgegeben werden. Allerdings mit digitalem Foto, Fingerabdruck und PIN. So wolle man den Ausweis sicherer machen und Bürgern die Möglichkeit einer digitalen Signatur für etwa Online-Einkäufe geben.

Zählt man jetzt eins und eins zusammen müsste es eigentlich ein Aufschrei aller rechtschaffenen Bürger geben. Im Nebensatz wurde deutlich, das beide Projekte zusammenhängen. So wurde nebenbei verkündet, dass die digitale Signatur (ELENA) für den Einkommensnachweis doch in Zukunft auf dem Personalausweis gespeichert werden könnte.

Dann hätten wir den koplett gläsernen Bürger: Fingerabdruck, Foto und die kompletten finanziellen Verhältnisse irgendwo in einer Mamutdatenbank gespeichert. Auch wenn sich die SPD noch gegen die zentrale Speicherung der Fingerabdrücke stemmt, so ist es doch erschreckend, welcher Geist derzeit in Sachen Datenschutz gegenüber dem Staat weht.

Anscheinend haben die regierenden Parteien jegliches Augenmaß verloren. Es wird Zeit, dass ihnen jemand die Augen öffnet.

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Thüringen ist Rot-Weiß - Rot-Weiß ist Thüringen

Fußball-EM auf der Fanmeile Erfurt kein Vergnügen

Unzweckmäßig, unattraktiv und enttäuschend, so präsentiert sich die Fanmeile auf dem Erfurter Bahnhofsvorplatz. Öffentliche Begeisterungsstürme für das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball-EM sind in Erfurt wohl nicht erwünscht. Die Fläche ist vollkommen unattraktiv und vermittelt einen abwehrenden Eindruck. Eingezäunt und mit einer schwarzen Folie verhängt, ist der Platz wenig einladend und tötet auch das geringste Interesse am Sport. Und auch für Reisende, die den Bahnhof verlassen, ist es eher bedrückend, quasi vor einer schwarzen Wand zu stehen. In einer solchen Atmosphäre kann nur schwerlich Fußballbegeisterung entstehen. Auch für die Betreiber und Mitarbeiter der Geschäfte und Kneipen im Erfurter Hof ist der Blick nach Draußen derzeit durch eine schwarze Folie verhängt. Vor dem Hintergrund dieser Aussichten dürften sich die meisten Fußballanhänger vor dem heimischen TV-Gerät versammeln. Die Wirte müssen somit für mehrere Wochen in der Hauptsaison Umsatzeinbußen hinnehmen, weil die Gäste es vorziehen, an einem behaglichen Ort einzukehren. Die Stadt Erfurt hat meines Erachtens bei den Vorgaben zur Gestaltung der Fanmeile gerade nicht im Sinne der Fans gehandelt. Bei einem solch großen Ereignis wie einer EM geht es eben auch um Weltoffenheit und das gemeinsame Feiern der Begeisterung für den Sport. Ein Zaun, der keine erkennbare Funktion erfüllt, gehört daher sicher nicht zur geeigneten Möblierung für das Public Viewing. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft bei weiteren sportlichen Großereignissen eine offenere Atmosphäre in der Landeshauptstadt vermittelt wird, in der die Erfurterinnen und Erfurter ihre Emotionen teilen können.