Kultur

Konzeptlosigkeit in der AG Kulturkonzept Erfurt

Die Ausarbeitung eines tragfähigen, schlüssigen, umfassenden Kulturkonzepts für die Landeshauptstadt sollte das Ziel sein. Darauf einigte sich der Stadtrat Erfurt am 29.10.2007. Zunächst war die Kulturdirektion der Stadt mit diesem Auftrag betraut. Dieses Konzept sollte ab Frühjahr 2008 Grundlage für eine Debatte unter Einbeziehung externen Sachverstands sein.
In Juni 2008 lag dann auch ein 48 Seiten umfassendes Konzept mit dem Namen Zukunft der Kultur – Kultur der Zukunft - Kulturkonzeption 2018- vor.

Merkwürdigerweise gab es einen weiteren Beschluss des Stadtrats im Dezember 2008, der die Gründung einer Arbeitsgruppe zum Gegenstand hatte. Diese soll lt. Beschluss ein Kulturkonzept mit dem Namen Zukunft der Kultur – Kultur der Zukunft entwickeln. Wie gesagt, ein solches lag zu dem Zeitpunkt bereits vor, sofern die Angaben auf der Homepage der Stadt korrekt sind. Neu hinzugekommen zum Auftrag war nun lediglich die Einbeziehung der Öffentlichkeit.
Die AG Kulturkonzept nahm im Januar 2009, also vor 16 Monaten, ihre Arbeit auf und sollte im Dezember 2009 (!) ein fertiges Konzept vorlegen, das den Bürger präsentiert werden kann.

Von einem solchen ist die AG noch weit entfernt. Der Vorsitzende des Kulturausschusses und Mitglied der AG, Dr. W. Beese, spricht von unterschiedlichen Interessen, die eine Einigung erschweren. Immerhin scheinen sich die AG-Mitglieder mittlerweile auf die Leitideen geeinigt zu haben. Jetzt soll es darum gehen, das Kulturkonzept tatsächlich entstehen zu lassen, soll heißen, die Leitbilder in konkrete Ideen für das Erfurter Kulturangebot umzusetzen. Dazu soll lt. den Aussagen von Hr. Beese nun erst einmal ermittelt und abgeglichen werden, über welche kulturellen Angebote und Infrastrukturen die Stadt verfügt. Damit ist also höchstens die Hälfte der Arbeit, die vor 4 Monaten hätte beendet werden sollen, getan.

Es kann nicht oft genug erwähnt werden: Die AG muss das Rad nicht neu erfinden. Ein ausgearbeitetes umfangreiches Kulturkonzept der Kulturdirektion von 2008 existiert bereits, auf das sich die AG in ihrer Arbeit von Anfang an stützen konnte. Dieses stand unter dem gleichen Motto, trägt daher den gleichen Namen, und beinhaltet u.a. auch die ''derzeitigen'' kulturellen Möglichkeiten (zum Stand 2008) und künftigen Potentiale in Erfurt und macht ebenfalls Vorschläge zur künftigen Prioritätensetzung.
Vor diesem Hintergrund ist die zeitliche Verzögerung des Projekts nicht nachvollziehbar. Hr. Beese hält diese Verzögerung im Zeitplan allerdings für weniger problematisch, denn bisher habe es schließlich auch kein Kulturkonzept gegeben. Zudem sei dies dem Umstand der Einbeziehung der Bürger geschuldet. Doch sollte nicht vergessen werden, dass die Konzepterstellung keinem Selbstzweck dient, sondern Grundlage darstellen soll für eine Schwerpunktsetzung der Kulturstadt Erfurt, für die Förderung der Attraktivität der Stadt für Einwohner und Gäste, der Weiter- bzw. Neuentwicklung von Projekten und Einrichtungen und somit des Bildungsangebots, sowie v.a. für die Aufteilung und den koordinierten und zielgerichteten Einsatz der finanziellen Mittel. Und diese werden knapper, wovon viele Einrichtungen im diesjährigen Haushalt betroffen sind. Daher ist statt der gezeigten Ignoranz gegenüber der im Stadtratbeschluss vorgegebenen Zeitplanung eine zügige Fertigstellung, die auch die geänderten finanziellen Rahmenbedingungen einkalkuliert, aus Sicht aller Beteiligten wünschenswert.

Christmas Market in Erfurt

Der Erfurter Weihnachtsmarkt – 2008 von den Besuchern in einer MDR-Umfrage zum schönsten Deutschlands gekürt – hat heute seine Pforten geöffnet. Bis zum 22.12. kann man ihn bestaunen.

Und wer sich bereits vor dem Schritt aus der Haustür über Attraktionen und Angebote auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt informieren möchte, kann dies – dank der Anstrengungen der Stadtverwaltung in Sachen internationales Tourismusmarketing – nun auch im World Wide Web, kurz Internet tun, unter www.erfurter-weihnachtsmarkt.eu.

Sogar an die Leser, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, hat man gedacht, und eine englisch-sprachige Version der Homepage eingerichtet. Sehr anschaulich wird dort die fast perfekte Anpassung des Englischen an das Deutsche demonstriert, nicht nur in Bezug auf den Satzaufbau, sondern auch auf den Ausdruck. Ob das den Studenten der Anglistik an der Uni Erfurt eigentlich auch bewusst ist? Es erleichtert jedenfalls vieles...

Unverständlicherweise wird den englisch-sprachigen Besuchern der Internetseite allerdings weder ein Interesse am Anfahrtsweg, noch am aktuellen Programm oder den Serviceangeboten unterstellt. Des Weiteren bleibt noch rätselhaft, wieso Pfefferkuchen übersetzt wird, Glühwein aber nicht?

Aufruf gegen die Kulturbedrohung 'Finanzkrise'

Nun sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise – deren Ursachen hier nicht näher beleuchtet werden sollen- auch in der Erfurter Kulturszene angekommen. Die Stadt muss sparen!

Man rechnet mit einem Haushaltsdefizit von bis zu 75 Mio. Euro im kommenden Jahr. Und es wurde bereits bekannt gegeben, dass ein - zugegebenermaßen vergleichsweise kleiner - Teil des Sparvolumens zu Lasten des Kulturbereichs in Erfurt gehen wird. Nicht nur das Kinder- und Jugendtheater Schotte, sondern auch der Kinoclub Hirschlachufer und weitere Vereine und Verbände werden betroffen sein.

In welcher Höhe steht allerdings noch nicht fest. Der Haushaltsbeschluss für 2010 wird nicht vor Dezember vom Stadtrat beschlossen werden. Frühestens dann wird klar sein, ob alle die Sparmaßnahmen überleben, denn rosig sieht es um die finanzielle Ausstattung von kulturellen Projekten jedweder Art in Thüringens Hauptstadt schon seit Jahren nicht aus.

Neben der Möglichkeit zu versuchen, sich verstärkt durch Spenden zu finanzieren und hier neue Wege und Kooperationen mit Unternehmen zu erkunden, können wir als BürgerInnen der Stadt ebenfalls einen Beitrag zum Erhalt des Erfurter Kulturbetriebs tun: Indem wir wieder öfter die Angebote nutzen! Und damit unterstütze ich den Aufruf des OB Bausewein in seiner Kolumne vom 12.10. und mache gleich einen konkreten Vorschlag für das Kulturprogramm der kommenden Woche:

Dienstag, 27.10.2009: 21 Uhr den Film Antichrist schauen im Kinoclub Hirschlachufer .

Samstag, 31.10.2009: 20 Uhr Theatervorstellung Kriemhild oder das Ende vom Lied in der Schotte besuchen.

Protest gegen neues Erfurter Logo zeigt Wirkung

Die zahlreichen Proteste gegen das neue Logo der Stadt Erfurt zeigen Wirkung: Das neue Logo wird überarbeitet.

Dies bestätigt ein öffentlicher Brief des Oberbürgermeisters Bausewein an die Erfurter und Erfurterinnen, der die Wogen etwas glätten soll. Einige der kritischen Äußerungen werden als konstruktiv gewertet und sollen in die Neufassung des Stadtlogos einfließen. Dieses soll nächste Woche Donnerstag vorgestellt werden. Vor allem das vielen Bürgern zu abstrakt erscheinende Rad soll geändert werden. Mehr ist noch nicht zu erfahren.

Im Rahmen der Erklärung, warum die Stadt überhaupt ein neues Logo benötigt, wehrt sich der OB zudem gegen den Vorwurf der Verschwendung von Steuergeldern. Nur ein Drittel der 20.000 Euro, die die Erstellung eines Corporate Design kostet, werden von der Stadt finanziert, die anderen zwei Drittel von der Erfurter Tourismus & Marketing GmbH. Immerhin: 6.666 Euro...

Man darf also gespannt sein, was uns nächste Woche präsentiert wird, und wie die Bürger auf die Änderung reagieren. Doch zeigt dieser Fall, dass eine Stadt schlecht beraten ist, in Bereichen, die Stadtkultur und -historie betreffen, die Bürger nicht in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.

Es zeigt aber auch, dass die Bürger Einflussmöglichkeiten in Politik und Verwaltung besitzen, wenn sie diese nur lautstark genug geltend machen. Und das ist tatsächlich positiv zu werten!

Faule Eier ins eigene Nest gelegt?

Bild: Indymedia (http://media.de.indymedia.org/images/2009/04/246971.jpg)
Bild: Indymedia (http://media.de.indymedia.org/images/2009/04/246971.jpg)

Kopfschüttelnd und mitleidig blickten heute die Besucher des Erfurter Bürgeramtes Löberstraße auf den Eingang des Bauamtes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort waren die verzweifelten Reinigungsversuche von Spezialfirmen zu beobachten, die Farbreste von der Eingangstür der Behörde zu beseitigen versuchte.

Über die Osterfeiertage warfen "wohlbekannte Unbekannte" offenbar Farbbeutel an Polizeiwache, Ordnungsamt und Bauamt. Recht freimütig geben die Erfurter Hausbesetzer zu, für den Schmutz und den Schaden verantwortlich zu sein. Nach der Entführung von Bernd das Brot nun also der Versuch, mit zweifelhaften Mitteln der anstehenden Zwangsräumung zuvorzukommen.

Was diesmal im Kalkül der Besetzer stand, bleibt nur zu vermuten. Die letzte Sympathien sind spätestens jetzt verspielt. Es bleibt nur, auf ein gütliches und schnelles Ende des Problems zu hoffen. Den Erfurter Bürgerinnen und Bürgern wirds nämlich langsam zu bunt!

Ausstellung: Absurde Erzählungen

Carsten Weitzmann, aus der Reihe der junge Philosoph: "Der junge Philosoph sieht eine Frau", 2008, Tusche, Acryl auf Papier, 70x81 cm
Carsten Weitzmann, aus der Reihe der junge Philosoph: "Der junge Philosoph sieht eine Frau", 2008, Tusche, Acryl auf Papier, 70x81 cm

Im Kunsthaus Erfurt eröffnet heute die letzte Ausstellung dieses Jahres. Ab 20 Uhr führt Kristian Jarmuschek, Kunstwissenschaftler und Galerist aus Berlin, in die Austellung "Absurde Erzählungen" der Künstler Jakob Roepke und Carsten Weitzmann ein. Die Ausstellung hat dann vom 2. bis 19.12.2009 geöffnet.

Am morgigen Samstag, den 29.11. sind die beiden Künstler ab 16 Uhr ebenfalls noch einmal direkt im Kunsthaus greifbar und laden zu einem erzählerischen Rundgang durch die Ausstellung ein.